Sonntag, 9. Februar 2014

„GUNA YALA – GREEN ISLAND”

Heute gibt’s regen Verkehr auf der Funkrunde auf 8.107 USB. Ein Arzt wird dringend gesucht. Auf einem Schiff hat jemand hohes Fieber, andere suchen Ratschläge wegen Verbrennungen von Quallen mit bis zu 8 Meter langen, giftigen Nesseln. Eine Ärztin meldet sich. Wir gehen Anker auf und Kurs Green Island, nachdem wir uns langsam und auf Sicht zwischen die Riffe hinaus ins tiefe Wasser getastet haben.

Bald liegen wir ruhig wie auf einem Binnensee hinter Green Island, der Anker hat sich wieder auf 8 Meter Wassertiefe eingegraben. Anders ist es hier, anders traumhaft schön. Ria geht schnorcheln, Erich reinigt ein wenig den Wasserpass und auch ich wage den Tauchgang um schnell festzustellen, dass unser Antifouling von der Shelter Bay Marina noch keinerlei Verschleißspuren aufweist und bin ebenso schnell wieder an Bord des Schiffes, wie ich bei dieser Kurzkontrolle sehe, dass uns unsere drei kleinen Mitbewohner von Coco Bandero bis hierher zum neuen Ankerplatz gefolgt sind. „Ich habe drei Haien in die Augen gesehen“ vermerke ich stolz im Logbuch der Santina. Heute werde ich nicht mehr schwimmen.



Gegen Mittag besucht uns in einem kleinen Beiboot rudernd Catherine, eine Französin, die seit 19 Jahren mit ihrem Mann auf dem Schiff lebt und dort schöne Schmuckstücke anfertigt. Fast ein wenig schüchtern breitet sie ihre reichhaltige Kollektion an Deck der Santina aus, die vor allem von unseren Damen mit Begeisterung betrachtet wird. „Tagua“ nennt man die Baumsamen, aus denen sie Kettenteile, Anhänger, Ohrringe, Ringe, Armreifen und viele andere Schmuckstücke anfertigt und wo auch dieses Mal einiges dieser wirklich schönen Arbeiten an Bord unseres Schiffes bleibt.


Wir besuchen Green Island, spazieren wieder einmal den Strand entlang und besuchen später ein Kunapärchen, das hier auf der Insel lebt. Adelaide ist gerade mit dem Nähen von Molas beschäftigt, zeigt uns die vielen kleinen Stiche und die Lagen der Stoffe und erzählt uns, dass sie an manchen Molas bis zu 5 Monate arbeitet. Bresilero, ihren Mann, fragen wir nach Kokosnüsse. Innerhalb kürzester Zeit klettert er die senkrechte Palme hinauf, pflückt vier Kokosnüsse, klettert ebenso schnell wieder hinunter und köpft die Nüsse für uns.








Für Besucher oder Fremde ist es streng verboten, Kokosnüsse von den Palmen zu schlagen. Jene, die am Boden liegen, darf man mitnehmen. Es steht geschrieben, dass jede Palme einem Kuna gehört. Nach wie vor sind die Kokosnüsse das wichtigste Exportmittel der Kuna.

Auf dem Schiff bearbeiten wir die Kokosnüsse weiter, bereiten ihr Inneres als Vorspeise zu. Dann kommt Serapio, sieht die Kokosnüsse und fragt sofort, von wo sie sind. Beruhigt und fast ein wenig erleichtert vereinbart er mit uns den morgigen Landausflug, wie wir ihm erzählen, dass Bresilero sie führ uns gepflückt hat.

Samstag, 8. Februar 2014

„GUNA YALA – COCO BANDERO CAYS – LOBSTER”

Jedes Mal wenn es scheint, dass uns etwas ausgehen könnte, kommt eine Kunafamilie mit ihrem Ulu vorbei und hat genau das, was uns hätte ausgehen können. Heute kommt Serapio zur Santina, zeigt uns die herrlichsten Lobster, die er so gekonnt für uns „vorbereitet“, dass Uschi sie „nur noch“ ins Backrohr legen muss. Serapio lebt mit seiner Familie auf Rio Azucar, einer kleinen Insel mit einem ebenso kleinen Kunadorf, wo ganz in der Nähe der Fluss Rio Azucar vom Festland ins Meer mündet. Serapio bietet auch Regenwaldtouren an, genau solche, die wir gerne machen wollen.


Wir vereinbaren mit ihm einen Treffpunkt in Green Island, einer Insel nicht weit von hier, wo er uns am Montag abholen will und auch jene Lebensmittel mitbringen wird, die wir heute bei ihm bestellen. Und auch ein wenig dafür im voraus bezahlen.



Ria schaut sich schnorchelnd ein wenig das Unterwasserschiff der Santina an, später bringen wir wieder ein aufgeladenes Kuna-Handy nach Tiadup, besuchen die Insel Dupwala, sehen wieder unzählbar viele Kokosnüsse auf den Palmen, diese Süßwasserlöcher und denken, die Kunas haben auf ihren Inseln und in ihrem Land tatsächlich alles, was man zum Leben braucht. Weitere romantische, philosophische und eventuell auch realitätsbezogene Betrachtungen ersparen wir uns.



Dann gibt es Oliven an Bord, kurz darauf Lobster mit Püree und Gemüse. Zubereitet und serviert von Uschi. Es erübrigt sich fast zu sagen: Sensationell! Eine zweite Haube wird verliehen.



Freitag, 7. Februar 2014

„GUNA YALA – COCO BANDERO CAYS – DIE KUNA FAMILIE”

Schon in den frühen Morgenstunden hat das mit Backpackern vollbeladene Stahlschiff, die SY Stahlratte, ihren Ankerplatz mit Kurs Cartagena verlassen. Nur die beiden kleinen Haie sind immer noch in der Bucht, genauer gesagt unter unserem Schiff. Recht schnell zeigen sie sich, wenn wir mit irgendwelchen Speisen in die Nähe des Hecks kommen. Für mich sind sie unendlich groß, was auch der Grund dafür ist, dass ich heute sehr gerne auf den morgendlichen Badespaß verzichte. Erich wagt den Sprung ins nahezu 29 Grad warme Wasser, kommt unversehrt zurück und zur Belohnung gibt’s Corned-Beef, nicht für Erich, sondern für unsere beiden Haustiere, die das Dosenfleisch vom Löffel wegessen. Dann sind sie plötzlich zu dritt. „Irgendwann kommt auch noch die Mami zu den Kleinen“ meine ich, um meinem heutigen Nicht-ins-Wasser-gehen doch ein klein wenig mehr Bedeutung zu verleihen.



Auf der Insel Tiadup lebt eine Kunafamilie. Ein paar wenige palmengedeckte Hütten sind hier aufgestellt. Ein Küchenhaus, ein Wohnhaus, ein überdachter Essbereich, zwei Schlafhäuser. Hängematten sind neben dem überdachten Essbereich aufgespannt, Molas, Armbänder, Fußbänder und bunt bemalte Kopftücher sind ausgestellt. Rosaline ist eine in der Kunatracht gekleidete Kuna-Dame, die hier offensichtlich das geschäftstüchtige Kommando führt und uns sofort sehr herzlich begrüßt.


Ria hat sich schon seit dem Beginn unserer Reise als perfekte Spanischdolmetscherin verdient gemacht und so ist auch sie eine willkommene Ansprechpartnerin, nicht nur für Rosalinde, sondern auch für alle anderen Familienmitglieder hier auf der Insel. Der alte Kuna in der Hängematte, der mit seinem Handy spielt, das keinen Akku hat, der Koch, der manchmal aus seinem qualmenden Küchenhaus blickt, der junge Kuna, der uns schon die zweite Runde Bier bringt und das Kuna-Mädchen, das mit bloßen Händen Fische putzt. „Gibt es solche auch für uns?“ meinen wir ein wenig fragend und zugleich treuherzig blickend zu Rosalinde, die uns sofort für 16 Uhr zu Tisch bestellt.




Zeit genug, um nochmals zurück aufs Schiff zu fahren, den Anker zu heben um ihn kurz danach wieder in den sandigen Boden einzugraben, der zwischen den Inseln Olosicuidup und Guarladup den Meeresboden bedeckt. Uschi taucht nach dem Anker, der sauber und beruhigend auf 8 Meter Wassertiefe eingegraben ist, dann rufe ich laut zu Ria und Erich, die unser Ankermanöver von der Insel aus beobachtet haben: „Mein Traumankerplatz!“ Wie oft soll man es noch festhalten? Türkises Wasser, weißer Sand, blauer Himmel, weiße Wölkchen, grüne Palmen. Immer wieder einfach unglaublich!


Das Kuna-Handy ist geladen, wir fahren zurück zur Kunafamilie, einige junge Backpacker aus unterschiedlichsten Nationen sind mit einem offenen Motorboot hier angekommen, sitzen wie wir am Strand, liegen in Hängematten, beobachten, tratschen, genießen diese friedliche Stimmung. Wir haben unsere Teller und unser Besteck mitgebracht. Dann wird Fisch mit Kokosreis serviert. Rosalinde freut sich, der Kuna mit dem aufgeladenen Handy freut sich, wir freuen uns.

 

Später sitzen wieder alle am Strand, beobachten den Sonnenuntergang, der von Wolken verborgen wird, was kein Problem ist, weil so ganz einfach wunderschöne Lichtstimmungen in den Himmel und auf die See gezaubert werden. Dann ist die Sonne untergegangen. Schnell wird es dunkel hier in den Tropen. Wir setzen diesen so schönen Tag auch in den Abendstunden an Bord der Santina fort, bleiben noch lange an Deck, beobachten die Sterne, Planeten, entdecken Konstellationen.


Der Große Wagen taucht auf, der Jupiter, der Nordstern, der Kleine Wagen, der Orion. Dankbarkeit ist spürbar. Dankbarkeit für das, was erlebt werden darf. Dankbar für das woran man merkt „Ich lebe!“. Erich meint an diesem Abend zu mir, „Es ist schön, dass du durch diesen Törn wieder so richtig zum Segeln zurückgefunden hast.“. Uschi hat das gleiche vor ein paar Stunden gesagt. Das ist genau so richtig.

Donnerstag, 6. Februar 2014

„GUNA YALA – SEGELN NACH COCO BANDERO CAYS”

Die heutige morgendliche Crewbesprechung hat ergeben, dass Ria und Erich nicht mit zu den Bocas del Toro segeln werden, weil ganz einfach die Zeit dafür nicht reichen wird. Niemand ist traurig darüber, wir haben Zeit auf den San Blas Inseln gewonnen, können bessere Wetterfenster zum Weitersegeln abwarten und auch die Verbindung von Puerto Lindo oder Portobelo nach Panama City ist eine bessere als von Bocas del Toro.

Wir hören die morgendliche Funkrunde auf 8.107, erfahren neben diversen Befindlichkeiten einiger Yachties auch einiges über das Wetter, das gut bleiben wird und bekommen Besuch von einem Versorgungsboot, das auch unsere völlig falsch kalkulierten Biervorräte wieder schnell korrigiert. Auch Ananas, Zwiebel, Orangen und sogar Äpfel wandern an Bord der Santina.


Das Segeln zu den Coco Bandero Cays ist wie im Bilderbuch. „Hollywood-Segeln“ nennen wir das Ganze. Herrlicher Passatwind, eine durch die Außenriffe gut geschützte und so auch nur wenig bewegte See, ein ruhig laufendes Schiff, das ebenso wie wir wieder so richtig Freude am segeln hat. Die hochstehende Sonne erleichtert die sehr enge Einfahrt zwischen den Riffen, wieder ist Uschi am Bug, Ria und Erich beobachten und wie der Anker im herrlich blauen Wasser fällt ruft Ria nur: „Das ist ja wirklich das Paradies!“ Nicht umsonst ziert das Bild der Coco Bandero Cays die Titelseite des „Bauhaus“, dem einzig wahren Revierführer von Eric Bauhaus durch die San Blas Inseln, dessen Zuverlässlichkeit und Genauigkeit der Karten in Verbindung mit Uschis guten Augen auch wir unsere bisher so gut verlaufenen Ansteuerungen und Ausfahrten von und zu den diversen Ankerplätzen verdanken.


Wir liegen zwischen den Inseln Olosicuidup und Dupwala, weil auf meinem ins Auge gefassten Ankerplatz leider das Backpacker-Schiff SY Stahlratte liegt. Viel mehr Platz ist ohnehin nicht zwischen den Inseln. Nur drei Schiffe sind es heute, die hier vor Anker liegen.



Ria und Erich schwimmen zur Insel Olosicuidup, an Bord wird gelesen und bald kommt eine große Kunafamilie mit ihrem „Ulu“ - das sind Einbaum-Kanus - zur Santina und vier wunderschöne „Bar Jack“ wandern an Bord unseres Schiffes. Heute darf ich die Fische ausnehmen und entschuppen, alles unter genauester Beobachtung und Endkontrolle von Erich, der es schließlich auch ist, der die Fische an die Pantry frei gibt. Uschi backt Brot und Kuchen und während die Fische im Backrohr dunsten, sehen wir am Strand eine großartige Vorführung einer jungen Backpackerin, die mit Kugeln und Hula-Hupp-Reifen einige zirkusreife Vorstellungen gibt.


Das Abendessen wird zum Galadinner. Ria und Erich haben von der Insel zwei Kokosnüsse mitgebracht, die recht mühsam am Heck der Santina mit der schiffseigenen Machete geköpft wurde und deren Inhalt jetzt mit etwas Rum als Aperitif verfeinert wird, dann gibt’s Fische in einer herrlichen Sauce und dazu Süßkartoffeln, zubereitet von Uschi, die jetzt die erste Haube verliehen bekommt, etwas später selbstgebackenes Brot und ebenso selbstgebackenen Kuchen mit gutem Espresso. Das Licht liefert der immer noch zunehmende Mond, der „Oma-Julies-Salonleuchte“ (benannt nach meiner Oma Julie) heute abgelöst hat.



Auch wenn nicht viel vom Essen übrig geblieben ist, so können wir auch im Mondlicht noch gut erkennen, wie zwei kleine Haie nach diesen wenigen Essensresten schnappen, die wir am Heck des Schiffes ins Wasser kippen. Das morgige Schwimmen werden wir doch ein wenig mit Vorsicht genießen.

Mittwoch, 5. Februar 2014

„GUNA YALA – HOLANDES CAYS – TIARDUP”

Auf einigen Inseln gibt es so etwas wie Müllverbrennungsstellen. Das sind Plätze, wo irgendwann einmal jemand ein Feuer entzündet hat und wo die Reste dieses Feuers noch gut sichtbar sind. Dort treffen sich die Yachties und verbrennen ihren Müll. Zumindest den, der brennt. Andreas von der SY Aphrodite hat die heutige „Müllverbrennung“ über Funk organisiert und auch wir nutzen die Gelegenheit, das Schiff von einigem Abfall zu erleichtern. Bald kommt auch Randy von der SY Nirwana Now und bringt neben seinen Müllresten auch nahezu seine ganze Kücheneinrichtung zur Feuerstelle. „Meine Frau kommt demnächst an Bord und so hab ich für sie eine neue Küche gebastelt“ meint er lächelnd auf unsere etwas verwunderten Fragen.


Wir besuchen die Insel Tiardup, wo Uschi und ich im Vorjahr Victor und seine Familie kennen gelernt haben. Victor war ein sogenannter „Saila“, der Chief oder Häuptling einer bewohnten Insel. Jedes Dorf hat insgesamt drei Sailas, das ist die höchste Autorität eines Ortes. Einer von ihnen wird sozusagen der Oberchief des Ortes und aus diesen vielen Oberchiefs werden wiederum drei „Caciques“ für die jeweiligen Corregimientos – das sind Regionen -  ausgewählt, welche hier ihren Landesteil repräsentieren. Von diesen wiederum wird einer zum allerhöchsten Chief gewählt.


Die Sailas sind mehr als „nur“ politische Führungskräfte. Sie sind neben dem Abschluss von Geschäften mit Außenstehenden auch dafür verantwortlich, dass allenfalls auftretende Streitereien beendet werden und vor allem dafür, dass die Werte der Kunas weiter gegeben werden, zu ihren Göttern gebetet wird und dass der traditionelle Lebensstil nach den alten ungeschriebenen Gesetzen ebenso gewahrt bleibt wie die eigene Sprache der Kuna. Wie lange ihnen das noch gelingen wird, fragen wir uns leider fast täglich.


Heute bewohnen zwei andere Familien die Insel. Wieder werden Molas und Fuß- und Armketten zum Verkauf angeboten und auch zwei recht magere Schweine sehen wir, die in sehr kleinen Käfigen gehalten werden. Einen Dollar hätte gerne ein Kuna dafür, wenn wir ein Foto vom Schwein machen wollen, was heute nicht unbedingt erforderlich ist. Wir haben es ohnehin schon fotografiert. Wieder spazieren wir den wunderschönen Strand entlang, immer wieder neigen sich Palmen bis fast ins Meer, sind herrliche Fotomotive, die wir beklettern, im Inneren sehen wir auch hier Süßwasserlöcher, vor denen oft Tücher aufgelegt sind, auf die man sich kniet, bevor man Wasser schöpft.

Heute versuchen Erich und ich die Wassertankanzeige zu reparieren, die seit dem Einbau des Wassermachers nicht mehr funktioniert. Vermutlich ist es nur eine Kleinigkeit beim Geber in einem der Wassertanks, die wir beheben wollen, was leider nicht gelingt und wieder einmal zu einer leichten Überschwemmung im Schiffinneren führt. Wir lassen es sicherheitshalber bald bleiben, legen den Salon wieder trocken und trösten uns mit einem „Wir haben ohnehin genügend Wasser.“

Dienstag, 4. Februar 2014

„GUNA YALA – HOLANDES CAYS – BANEDUP UND SCHNORCHELN”

Manchmal wird man – meist von Nichtsegler - gefragt, wie so ein Tagesablauf an Bord eines Schiffes aussieht, ob es einem da nicht langweilig wird oder was man die ganze Zeit über macht. Man kann es ganz leicht vorwegnehmen: Langweilig wird einem nie! Unser morgendlicher Tagesbeginn sieht in etwa so aus: So gegen 06.30 Uhr geht mein Wecker ab, eine Stunde später steh ich auf, stell möglichst leise das Wasser auf, richte mir Cornflakes mit einer Banane, die ich von der Bananenstaude, die am Ende des Baumes festgebunden ist pflücke, setze mich ins Cockpit und frühstücke, während ich unser Paradies beobachte. Bald danach kommt Ria, macht sich ein Müsli, setzt sich ebenfalls ins Cockpit oder aufs Vorschiff und beobachtet ebenfalls unser Paradies.

In der Zwischenzeit pfeift der Wasserkessel, der Kaffee beginnt sich als solcher erkennbar zu machen, Uschi und Erich wandern aus ihren Kabinen, bereiten ein weiteres Frühstück, das schließlich die Crew des Schiffes im Cockpit vereint. Alle genießen nun gemeinsam das Paradies und dabei wird sorgsam der weitere Tagesablauf besprochen. Dazwischen wird pünktlich um 08.30 Uhr am Amateurfunk auf 8.107 USB der Wetterbericht abgehört und in dieser Funkrunde erfährt man auch das Allerneueste von einigen äußerst mitteilungsfreudigen Yachties. So in etwa wo sie vor Anker liegen, wie bei ihnen das Wetter ist, wer gerade von einer „No See Ums“ (das sind nahezu unsichtbare Mücken) gestochen worden ist, wo gefährliche Quallen („Portugiesische Galeeren“) gesehen worden sind und auch, was jemand gerade benötigt oder zu verkaufen hat. Organisierte Ausflugstipps – meist in den Regenwald - werden ebenfalls durchgegeben und Schiffe melden sich, die gerade angekommen sind oder die Inselkette verlassen.

Heute besichtigen wir die Insel vor uns. Banedup. Mit dem Dinghy geht’s an den Strand, dort wird das Beiboot meist an einer Palme festgebunden und dann wird dem Strand solange entlangspaziert, bis irgendein Gehölz oder Bewuchs ein Weiterkommen nicht mehr möglich macht. Besichtigt werden Palmenformationen, Strandformationen, die Farben der See, Krebse, Fische, Muscheln, vorgelagerte Riffe, die unterschiedlichen Brandungshöhen und manchmal auch gestrandete Schiffe, die es hier nahezu vor jeden Riffen gibt. Letzteres ist unter „traurige Besichtigungen“ einzustufen, so wie die völlig ausgebaute HR 38, eine ehemals wunderschöne Yacht, die hier vor zwei Jahren gestrandet ist.



Dann wird geschnorchelt. Uschi, Ria und Erich wagen den Tauchgang zum Korallenriff und schwimmen hier der Unterwasserwelt entgegen. Ich beobachte meist das ganze Geschehen vom Strand aus unter dem Motto: „Der Skipper darf sich nicht in Gefahr bringen“ und freu mich, wenn die Crew mit vielen begeisterten Erzählungen über das Gesehene wieder wohlbehalten an Bord kommt.


 


Wenn die Zeit es erlaubt, gibt es zwischendurch so etwas wie eine kleine Jause an Bord der Santina, die manchmal auch eine große sein kann, bevor die gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse untereinander ausgetauscht werden, man sich kurz zur Ruhe legt oder ein Buch liest und sich selbst bald wieder mit weiteren Aufgaben betraut, die den Tag recht schnell vergehen lassen. Meist sind dies bautechnische und ortsplanerische Untersuchungen über die Bauweise der Kunahütten, die grundsätzlichen Tragkonstruktionen, deren geflochtene Verbindungen, der Aufbau der Wände, die Dachlandschaften und deren Eindeckungsarten, Materialkunde und die Gestaltung der Freiflächen, die meist durch den natürlichen Inselbewuchs vorgegeben sind.


Dann gibt’s das Abendessen an Bord des Schiffes, hervorragend zubereitet von Uschi und meist das, was gerade ein Fischer vorbeibringt. Ausnahmen sind auch möglich, so wie heute, wo weit und breit kein Fischer zu sehen war und wir mit Spagetti vorlieb nehmen mussten. Was auch gut war. Nach dem Abendessen wird nochmals das Erlebte und vieles mehr besprochen, bevor so gegen 21.30 Uhr – es passiert nahezu jeden Abend um die gleiche Zeit – eine allgemeine Müdigkeit spürbar wird, die wir nicht bekämpfen, sondern eine wohlverdiente Nachtruhe mit einem Gute-Nacht-Drink in Form eines guten Rums als bewährtes Desinfektionsmittel einleiten. Wie man sieht: Ganz schön anstrengend so ein Tag in den San Blas.

Montag, 3. Februar 2014

„GUNA YALA – CHICHIME CAYS – HOLANDES CAYS – SEGELN NACH BANEDUP”

Vierzehn erwachsene Leute sind neben uns auf der Yacht, die unwesentlich größer ist als die Santina, dazu ein Kleinkind und ein Hund. Viele von ihnen sind das erste Mal auf einem Schiff und dementsprechend ist auch ihr Wohlbefinden. „Kurs Cartagena“ heißt es für diese Backpacker, die viel Geld für diese meist stürmische Passage von Panama nach Kolumbien bezahlen, weil es für diesen Weg neben dem Flugzeug kein anderes Verkehrsmittel als das Schiff gibt. Und Fliegen ist noch teurer.

Wir tratschen ein wenig mit den Backpackern, kaufen Obst auf Uchutupu Dummat und sind bald wieder an Bord der Santina, wo während unseres Inselausfluges von unserem Watermaker reichlich Süßwasser produziert wird. Luxus pur!

Im Licht der Mittagssonne ziehen einige Inseln der San Blas an uns vorüber, eine schöner als die andere. Wir gehen Kurs zu den Holandes Cays, jener Inselgruppe, die Uschi und ich vor einem Jahr nach einer mehr als stürmischen Überfahrt von Santa Marta in Kolumbien als erste angelaufen sind. „Maoqui – Kaimou“ nannte man sie früher einmal, diese Vielzahl von kleineren und größeren Inseln, die alle durch Riffe miteinander verbunden sind und wo ein Ankerplatz schöner als der andere ist.



Die Ansteuerung ist wie im Bilderbuch. Wieder wechselt sich dunkelblaues Meer mit anderen Blautönen ab, grünlich dort, wo die Sandbänke noch unter Wasser sind, bräunlich wo es Riffe gibt, braun wo sie langsam sichtbar werden, hellblau an den Ankerplätzen und türkis dort, wo das Meer zum weißen Strand übergeht. Dahinter Palmen, Palmen, Palmen. Langsam tasten wir uns wieder hinein, Uschi am Bug, Ria und Erich begeistert von dem, was für uns alle fast wie im Traum ist.


Wir umrunden Oggopiriadup im Westen und Norden und gehen südlich von Banedup zwischen zwei schützenden Riffen vor Anker. Eine kanadische Yacht liegt neben uns, die SY Aphrodite hinter uns und nur noch ein weiteres Schiff liegt ein wenig Abseits hier vor Anker. Wieder ein paradiesisches Plätzchen auf dieser Erde, das wir befahren und besichtigen dürfen. Wir genießen es vorerst gemeinsam mit Andreas und Cordula, die zu uns an Bord kommen, später zu viert bis lange in die Nacht, unter einem unendlichen Sternenhimmel, der sich auch heute wieder in all seiner Pracht zeigt, nachdem der noch immer zunehmende Mond ein silbrig glänzendes Licht auf die vielen kleinen Wellen der Bucht geworfen hat.



Sonntag, 2. Februar 2014

„GUNA YALA – CHICHIME CAYS – INSELBESICHTIGUNGEN”

„Alles ist trocken an Bord der Santina.“ Eine erste freudige Feststellung gibt’s gleich nach dem Sonnenaufgang, ein „Alles ist so wunderbar sauber und schön“ folgt und wie dann die Hängematte am Vorschiff befestigt ist, hat man doch dieses wunderbare Gefühl, dass auch heute ganz einfach alles stimmt hier in den Chichime Cays. Wir besichtigen wieder Uchutupu Pipigua, die kleine Insel.



Ein paar palmengedeckte Hütten sind aufgebaut, in denen zwei Kunafamilien leben. Junge Pärchen – wiederum Backpacker – haben daneben kleine Zelte aufgeschlagen. Wir sehen Kunas, die gerade ein paar Fische gefangen haben. Durchwegs Yellow Snapper. Einige davon sind bald an Bord der Santina. Für US $ 5,--.

Sauber  und gepflegt zeigt sich die Insel. Der Sand ist weich wie Mehl und wurde mit Palmenblättern gekehrt. In der Mitte der Insel sehen wir eine Vertiefung mit Wasser. Es ist tatsächlich ein Wasserloch mit sauberem Süßwasser, das hier zum Waschen und Kochen genutzt wird. Nahezu jede Insel hat solche Süßwasserreserven erzählen uns die Kunas und zeigen uns dann ein Hundebaby, das es allen von uns schnell angetan hat. „Milch fehlt“ meinen die Kunas, die wir natürlich bringen, ebenso wie einige Kleidungsstücke, deren Stoffe sie für Molas verwenden können. Kinder bekommen Süßigkeiten. „Caramel“ sagen sie dazu lächelnd. Das nächste Mal werden wir Zahnbürsten und Zahnpaste mitbringen.






Wir besuchen Uchutupu Dummat, die größere der beiden Inseln hier in den Chichime Cays. Wir sehen Müll auf der Luvseite der Insel. Plastikflaschen, Plastikbecher, Plastikdosen, Plastikschuhe, Plastiktaschen. „Sind wir das?“ fragen wir uns leise und doch sehr nachdenklich.



Es gibt wieder einige Kunahütten, eine kleine Bar, ein überdachter Sitzplatz, eine Art Restaurant, eine Küche. Wir kaufen Kokosnüsse, die geköpft werden. Zwei von ihnen erhalten auch eine kleine Rumfüllung. Köstlich und intensiv.



Ein kleines Zentrum für Kite-Surfer ist hier entstanden. Die Surfer und Surferinnen werden vom Festland aus mit Ausflugsbooten hierher gefahren, verbringen den Tag am Wasser und auf der Insel und fahren am Abend wieder zurück. Einige davon übernachten auch in einigen Kunahütten, in denen Hängematten aufgespannt sind. Wieder schimmert das Wasser in allen erdenklichen Farbtönen. Wir lachen über diese Schönheit.






Erich putzt die Fische, entschuppt sie, Uschi kocht sie und erst lange nachdem sich wieder der Mond zeigt, haben wir unser Festessen am Gourmetschiff beendet. Ananas, köstliche Fische, Salat, Reis, Erbsen, selbstgebackener Kuchen, Kaffee, Bier, Wein, Rum. Ein Traumtag.



Samstag, 1. Februar 2014

„GUNA YALA – CHICHIME CAYS – DER WASSERMACHER”

Es ist ein wenig Grau in Grau hier im morgendlichen Paradies, Wind ist aufgekommen, Schaumkronen sind auf den Riffen sichtbar und dennoch ist nur das Bild der kürzlich gestrandeten norwegischen Yacht am Außenriff der Inselgruppe ein trauriges. Wir nehmen unseren Wassermacher in Betrieb, folgen exakt den Anweisungen des Benutzerhandbuchs und produzieren bald Süßwasser aus Seewasser. Leider nicht in die Wassertanks der Santina, sondern wieder einmal in die Bilge des Schiffes, weil ein patentierter Anschluss zwischen Wasserleitung und Membran – den man John Guest Fitting nennt – gebrochen ist.



Zum Glück finden wir diese Bruchstelle schnell und ebenso den Ersatzteil, reparieren das Ganze und haben bald dort das Wasser, wo es hingehört. Knappe 5 Stunden haben Erich und ich daran gearbeitet und laufend kontrolliert, ob tatsächlich alles trocken bleibt, was letztendlich doch nicht der Fall war, weil auch ein Anschluss beim Konservierungsbehälter undicht war. Auch dieser Fehler wurde wiederum sehr gewissenhaft behoben. Dann lacht nicht nur die Crew, sondern auch die Sonne am Himmel über den Chichime Cays.




Wir erkunden Uchutupu Pipigua und bekommen Besuch von Venanzio, einem der großen Molakünstler hier in den San Blas. Stolz breitet er seine Stoffapplikationen mit wunderschönen Kunamotiven und Geschichten an Deck des Schiffes aus, erklärt uns die Bedeutung einiger Zeichen und so ist es bestimmt nicht verwunderlich, dass einige dieser Molas in die Schatzkammern des Schiffes wandern. „Wertloses Papier gegen großartige Kunst“ nennen wir unseren heutigen Austausch von einigen Dollars gegen traditionelles Kunsthandwerk.



Die Molas von Venanzio sind wunderschön und außerordentlich fein und aufwendig verarbeitet. Manche haben bis zu 7 verschiedene Stoffschichten und ganz feine Nähstiche. Wir haben einige Molas schon in Wichubhuala bewundert und dort auch gesehen, wozu sie ursprünglich und meist auch heute noch angefertigt werden: Als Kleidungsstücke an Stelle von Körperbemalungen, die den Ureinwohnern einst von Missionaren empfohlen wurden.

 


Den karibischen Sundowner gibt es an Bord der SY Aphrodite, mit immer wieder herrlichen Lichtstimmungen, die die untergehende Sonne hierher zaubert, aufs Meer, zu den Inseln, bevor sie abgelöst wird vom langsam aufgehenden Mond und einem faszinierendem Sternenhimmel, der uns wieder an Bord der Santina lange Zeit einige Aufgaben stellt, um seine Sternenbilder zu erkennen.