Dienstag, 18. Februar 2014

„PANAMA – PORTOBELO – CASA VELA UND EISBÄR III”

Viel Wind hat es heute Nacht gegeben und auch jetzt am Morgen sind in der gut geschützten Bucht von Portobelo Schaumkronen zu sehen. „Kolumbus hat schon gewusst wo er vor Anker geht“, meinen wir und sind zugleich doch etwas nachdenklich, was unsere für morgen geplante Abreise nach Bocas del Toro betrifft. Wir fahren an Land und treffen uns mit der Crew der SY Eisbär III im Casa Vela.




Das „Casa Vela“ ist ein kleines Haus mit einer gemütlichen Terrasse direkt an der Waterfront. Rainer und Birgit haben es seit zwei Jahren angemietet und bieten hier neben gutem Essen und Trinken im Restaurant Segel- und Abdeckungsreparaturen aller Art an. Auch Internet gibt es. Uschi und ich haben die beiden vor 6 Jahren in den Kleinen Antillen kennengelernt, wie sie mit ihrem Schiff SY Elsa neben uns gesegelt sind und wir uns gegenseitig auf unserem Weg nach Trinidad fotografiert haben.

Es gibt österreichischen Leberkäse mit österreichischen Semmeln, was wir natürlich gerne probieren. Das Casa Vela ist ein Seglertreffpunkt. Nicht nur, dass die beiden bestens über all das Bescheid wissen, wo man etwas bekommt, wohin man sich wendet oder wie man was findet, auch das Essen ist großartig, was wir nach dem ersten „Küchentest“ schnell festgestellt haben. Die Wetterberichte die wir empfangen sind weniger großartig, eher schlecht und auch die Aussichten auf die nächsten Tage sind nicht gerade das, was wir uns erhofft haben. Dennoch fällt es uns nicht schwer, unsere Abreise von hier zu verschieben. Wir beginnen mit unserer Portobelo-Besichtigungstour und spazieren zum Hauptplatz, mit dem schönen Renaissance Gebäude, das einmal ein Warenhaus war, wieder ein anderes Mal das Büro des Gouverneurs und heute als Museum dient. Mehrmals wurde es nach Bränden, Piratenangriffen und Erdbeben zerstört, wiederaufgebaut und restauriert.




Das Museum haben wir letztes Jahr besucht. Es zeigt immer noch ein Video mit der Geschichte von Portobelo und seinem Hinterland mit den Hauptdarstellern Christoph Kolumbus, Sir Francis Drake, Henry Morgan und Vasco Núñez de Balboa. Nach letzterem sind hier nicht nur Straßen, Plätze, Gebäude und Geldstücke benannt, sondern auch eine sehr bekömmliche panamaische Biersorte, die oft bei uns an Bord zu finden ist. Vasco Núñez de Balboa war ein Begleiter vom Conquistator Rodrigo de Bastidas aus Sevilla und mit dem Kartographieren der karibischen Küstenlinie von Kolumbien bis Panama beschäftigt, als er den Erzählungen der indigenen Völker folgte, die behaupteten, dass es da noch ein großes Meer gibt. So durchwanderte er den Regenwald Panamas und entdeckte von der Spitze eines Berges aus dieses andere Meer, das er „Südsee“ nannte. „Alles was dort ist, gehört Spanien“, meinte er damals. Das war im Jahr 1513.

Uschi und ich besuchen auch den kleinen chinesischen Supermarktladen am Hauptplatz und den Bäcker, wo es frisches Brot gibt und spazieren viele kleine Gassen der „schlafenden kleinen Stadt“ entlang, wie Portobelo im Hafenhandbuch beschrieben wird. Den Badegenuss von Bord der Santina ersparen wir uns, weil wir gesehen haben, dass doch alle abwasserführenden Leitungen direkt in der Bucht enden. Wir haben ohnehin genug Wasser an Bord.

Thomas kocht für uns auf. Wir sind auf der SY Eisbär zum Abendessen eingeladen. Der Tisch ist feierlich gedeckt, Tzaziki, Oliven und geröstetes Brot werden serviert, dann folgt Hühnchen mit Gemüse und Kartoffeln. Alles ganz ausgezeichnet, ebenso wie die Stimmung, deren gute Laune heute von Thomas noch weiter übertroffen wird, weil er morgen als Linehander mit einem Schiff durch den Panamakanal gehen kann.





Montag, 17. Februar 2014

„PANAMA – PORTOBELO – VORBEREITUNGEN”

Das Schiff ist wieder soweit klar, dass wir den Weg nach Bocas del Toro gehen können. Im Vorschiff hat man das Gefühl, dass wir wieder zu zweit sind. Alles ist nahezu traurig leer. Thomas kommt an Bord, gibt uns seine Internetkarte für Handy und Hotspot. Praktisch und zeitstehlend zugleich. Der schlechte Wetterbericht von gestern bestätigt sich. 3,50 Meter Welle hat´s da draußen und recht viel Wind. „Muss ja nicht sein“ denken wir, „besichtigen wir Portobelo und sein Umland.“

Wir nutzen das Internet, um das „Logbuch der Santina“ auf die Seiten der Homepage zu stellen. Es ist nicht viel Arbeit, weil ohnehin täglich alles festgeschrieben wurde, was wir Schönes erlebt haben. Die laufende Aktualität ist leider verloren gegangen. Der gute Gedanke, die Logbucheintragungen über den Amateurfunk täglich ins Netz zu stellen ist wegen der schlechten oder vielleicht sogar nicht vorhandenen Erdung der Anlage leider nicht möglich. Wir wollen nicht riskieren, dass sich irgendwelche Wellen in Richtung AIS, Radar oder Chartplotter ausbreiten und diese Geräte beschädigen oder sogar zerstören. So wie es auf anderen Schiffen geschehen ist. „Technisch experimenteller Funkdienst“ nennt man den Amateurfunk auch. Wie wahr! Bald werde ich mich wieder um diese Anlage mit aller Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit kümmern.

Thomas bringt mir eine weitere Internetkarte, die wir für unser Handy nutzen könnten, wenn es freigeschalten wäre. Das zu tun hab ich ganz einfach zu Hause vergessen. Wir werden damit leben können auch in den kommenden Wochen kein Internet an Bord zu haben. Wir werden die vielen gewonnenen Stunden für besseres nutzen.


Sonntag, 16. Februar 2014

„PANAMA – PORTOBELO – AUF WIEDERSEHEN RIA UND ERICH”

Erich und ich fahren nach einem letzten gemeinsamen Frühstück an Bord der Santina mit dem Dinghy in den Ort um ein Taxi zu organisieren, was schließlich im Restaurant El Palenque gut gelingt. Dann wird das Gepäck an Land gebracht. Ans Festland, auf einen Kontinent. Es gibt ein gemeinsames Mittagessen, für Uschi und mich gibt es einen wunderschönen geflochtenen Korb als Abschiedsgeschenk, dann ist das Taxi plötzlich da. Alles ist heute so schnell gegangen. Zum Glück. Der Abschied ist da, von Wehmut begleitet. Ein paar Küsse, ein paar Drücker, ein herzliches Danke. Von allen Seiten. Dann sind Ria und Erich auf einmal weg!


Uschi und ich spazieren zu Cäpt´n Jack. Es gibt Internet auf der Terrasse, das wir heute so richtig und ausgiebig nutzen. Auch für den Wetterbericht für die nächsten Tage. Es schaut nicht sonderlich gut aus. Recht ordentlicher Wind kommt auf, der die See doch beträchtlich aufbaut. „Morgen wollen wir ohnehin nicht auslaufen“ meinen wir übereinstimmend und freuen uns, wie wir wieder zur Santina kommen, weil hinter uns die SY Eisbär III mit Otto und Thomas vor Anker liegen.

An Bord beginnen wir mit einigen kleinen Kontrollarbeiten: Bilgenkontrolle, Motorölkontrolle, Wasserabscheiderkontrolle, Dinghy-Check. Dann holen wir die Crew der SY Eisbär III mit dem Dinghy ab, fahren ins Restaurant El Palenque und genießen bei Caipiriña und Mochito wieder einmal einen weiteren gesprächsintensiven und ebenso netten Abend. Regenschauer ziehen über die Bucht. Einer davon auf unserer Rückfahrt zum Schiff.

Samstag, 15. Februar 2014

„AUF WIEDERSEHEN GUNA YALA – KURS PORTOBELO”

Es gibt ein „Nacheinander-Aufstehen“ im Morgengrauen, den man heute tatsächlich so bezeichnen darf, ein Inneres „Auf Wiedersehen“ zu den San Blas Inseln, was möglicherweise nicht zutreffen wird, und ein so langes Winken, bis nichts mehr von den vielen kleinen Inseln und Palmen des Archipels zu sehen ist. Die angesagten 8 – 11 Fuss Wellenhöhe des gestrigen Wetterberichts bewahrheiten sich, der Wind nimmt während dem Segeln entlang der panamaischen Küste von 25 Knoten auf 20 und später auf bis zu 15 Knoten ab.






Es ist ein recht angenehmes und crewschonendes Segeln auf Halben Wind bis vor die weiträumige Bucht von Portobelo, wo wir die als „sehr gefährlich“ bezeichnete Untiefe, das „Salmedina Reef“, großzügig umfahren um dann noch vor Sonnenuntergang bis in die Bucht zu segeln, in der bereits einige Yachten vor Anker liegen. Ganz in der Nähe des Ortes gehen wir vor Anker, trödeln nicht lange und wollen die geschichtsreiche Stadt von einer Dinghy-Anlegestelle aus besuchen, die zu einem Restaurant gehört, das sich „El Palenque“ nennt.

Im Restaurant El Palenque gibt es gutes Essen, das wir bestellen und ebenso guten Kaffee, richtigen Espresso, alles serviert auf einer schönen Terrasse, mit Blick auf die Bucht und die ankernden Schiffe.

Karneval ist in Portobelo, den wir besuchen und der heute nichts anderes darstellt als eine Art Krampustreffen, begleitet von laut dröhnender Musik, die aus den Laderäumen von Autos kommt, in denen turmartig Lautsprecherboxen aufgestellt sind. Unendlich viele Kinder laufen am Hauptplatz herum und versuchen Süßigkeiten zu erobern, die am Boden liegen und von den Krampussen bewacht werden. Wir sitzen auf einer Steinbank am Hauptplatz und beobachten das friedlich-lautstarke Geschehen so lange, bis es von der Polizei ebenso friedlich beendet wird.

An Bord der Santina spielen wir Israel Kamakawiwo’ole. „Somewhere Over The Rainbow“. Wir trinken die mehr als guten Reste unseres Zacapa, der uns in den letzten Tagen erfolgreich desinfizierte, denken wieder zurück an das Erlebte der vergangenen Wochen, sind wieder dankbar. Autos hören wir, bunt beleuchtete und laut hupende Busse. Die Zeit in den San Blas hat uns vieles vergessen lassen. Sie war einmalig und wird unvergesslich bleiben.

Freitag, 14. Februar 2014

„GUNA YALA – CHICHIME CAYS – TAUCHGÄNGE UND ABSCHIED”

Thomas besucht uns wieder um bald darauf mit Ria die Unterwasserwelt weiterer Riffe zu erkunden. Uschi und ich folgen den beiden während Erich die Zeit an Bord der Santina genießt. Man muss sich tatsächlich nur entlang der Riffe treiben lassen, um eine Vielzahl an Fische und Seesterne zu sehen, die unbeirrt ihre Wege gehen. Es gibt schöne Korallenformationen, die manchmal auf recht steilen Abhängen angesiedelt sind und wo sich die Farbe des Meeres schnell von Türkis auf Dunkelblau ändert. Das sind meist jene Stellen, wo ich gerne den schwimmenden Rückwärtsgang einlege.



Gemeinsam mit Erich besuchen Uschi und ich das kleine Hundebaby, dem es tatsächlich gut geht und das einen noch kleineren Spielpartner erhalten hat, bringen der Kunafamilie wieder Kleidungsstücke für ihre Molas und besuchen schließlich auch die Nachbarinsel Uchutupu Dummat, wo wir einen Tisch für das heutige Guna-Yala-Abschiedsessen reservieren. „19.30 Uhr“ meint der Kuna freundlich lächelnd. Es wird Fisch geben.

Otto und Thomas von der SY Eisbär III sind mit dabei, wie guter Fisch mit Kokosnussreis und Cole-Slaw serviert wird, wo immer noch die heutigen Taucherlebnisse nahezu spürbar erzählt werden und wir doch auch ein wenig diese wundervolle Zeit in den San Blas Revue passieren lassen. Was später an Bord der Santina fortgesetzt wird, mit einem heimlichen Abschied von den Palmen, vom Strand, von den Riffen, den Sandbänken und nicht zuletzt von den Kunas, diesem freundlichen und friedliebenden Volk, das sich hoffentlich noch lange dieses Paradies bewahrt.




Wir machen uns nichts vor: Dass dieser paradiesische Zustand bis heute überdauert hat, ist dem Überlebenswillen und der Sturheit eines kleinen Indianerstammes zu verdanken. Die rund 32.000 Kuna haben es in den letzten Jahrzehnten mit Kampf und öfter noch mit viel Diplomatie geschafft, ihren Lebensraum des San Blas Archipels so lange für sich zu bewahren und ein Refugium für Tausende seltener Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, wie er für uns in diesen letzten Wochen sichtbar wurde. Bis heute leben sie von und mit dieser Natur und sind so zu einem der größten unabhängigen Indiostämme der Gegenwart geworden. Bestimmt werden heute schon von den Kunas die Vor- und Nachteile der Zivilisation abgewogen werden, Investoren aus der Tourismus, Holz-, Pharma- und Fischereiindustrie stehen mit großen finanziellen Verlockungen Schlange vor den Toren von Guna Yala.

Wie lange noch wird es diesen letzten und größten Primärurwald Zentralamerikas geben, wie lange noch wird der bisher so eiserne Kuna-Vorsatz gelten, dass kein Nicht-Kuna sich hier niederlassen darf und sich am Besitz der Kuna bereichern oder die Wälder ausbeuten? Wie lange noch werden die Kuna ihrer Kultur, ihren Riten und Mythen treu bleiben, wie lange noch wird ihre Unabhängigkeit von Panama andauern? Fragen, die wir nicht beantworten können und auch nicht wollen.

Wir denken an die Geschichte des jungen Fischers, der am Strand unter Palmen liegend hinausblickt aufs Meer und seine Freizeit genießt. Ein Investmentbanker kommt bei ihm vorbei und fragt ihn, was er hier macht. Der Fischer meint nur: „Ich habe gerade ein paar Fische gefangen, die hab ich am Markt verkauft und jetzt genieße ich meine Freizeit hier an diesem wunderschönen Strand.“ Der Investor meint, er könne doch mehr als nur ein paar wenige Fische fangen, er müsse investieren, in ein größeres Boot, dann könne er noch mehr Fische fangen, das Geld in Aktien anlegen, an die Börse gehen, weiter investieren, ein noch größeres Boot kaufen, noch mehr Fische fangen, Menschen beschäftigen und noch mehr Geld verdienen. Dann fragt der junge Fischer: “Und was mach ich dann mit dem ganzen Geld?“ Da meint der Investor nur: „Wenn du dann alt bist, kannst du dich an den Strand unter Palmen legen und aufs Meer hinausblicken und deine Freizeit genießen!“

Donnerstag, 13. Februar 2014

„GUNA YALA – PORVENIR – AUSKLARIERT – CHICHIME CAYS”

Der Katamaran Wanderlust mit Hans und Inge liegt in der Bucht vor Anker. Uschi und ich besuchen die beiden um sie ein wenig über die Inselgruppe Bocas del Toro zu befragen, die beide schon besucht haben. Es gibt gute Tipps und dazu ein neues Programm eines Wetterberichts.

Wir gehen Anker auf und verlassen die West Lemmon Cays wegen der dunstigen Wetterlage und somit schlechter Sicht über die nördliche, etwas tiefere Ausfahrt und laufen wieder den Ankerplatz östlich von Wichubhuala an. Der Wind hat heute Nacht auf Nordwest gedreht, was absolut untypisch ist und unseren Weg zurück in Richtung Puerto Lindo nicht gerade erleichtern wird. Wenn´s so bleibt.

In Porvenir bekommen wir unsere Zarpe und das Cruising Permit für Panama für ein Jahr ausgestellt und zudem eine handgeschriebene Bestätigung zu unserer Crewliste, dass Ria und Erich in Puerto Lindo das Schiff verlassen und über Panama City nach Hause fliegen werden. Beide, der Customer und der Immigration Officer, waren wieder so freundlich und nett, dass es jetzt schon ein wenig schwer fällt, an den bevorstehenden Abschied aus Guna Yala zu denken.

Noch einmal besuchen wir Wichubhuala, kaufen Brot und bekommen noch vor dem Ablagen  Besuch von Kunafrauen, die mit ihrem Ulu zur Santina paddeln. Wieder werden Molas und Ketterln aller Arten zum Verkauf angeboten. Es fällt einem immer schwer, gerade bei den Kunas „Nein Danke“ zu sagen, weil immer so nett, freundlich und absolut unaufdringlich ihre Kunstwerke gezeigt werden. Immer schon hab ich ein wenig mit dem Erwerb von einem Kuna-Paddel spekuliert, wo auch jetzt alle drei Frauen welche verwenden um das Kanu fort zu bewegen. „Die brauchen doch nur zwei“ denke ich und bitte sie nochmals zu unserem Schiff zu kommen. Dann ist das handgefertigte Prachtstück aus Holz mit dem schönen Griff gegen den Austausch von „wertlosem Papier“ an Bord der Santina. „Ich hab ein Kuna-Paddel“ ruf ich freudestrahlend hinaus in die Karibische See.




Es gibt ein traumhaftes Segeln am San Blas Channel zu den Chichime Cays, wo wir erst kurz vor der Einfahrt die Segel bergen und wieder jenen Ankerplatz anlaufen, den wir schon bei unserem ersten Besuch hier genutzt haben. „Die erste Insel die wir besucht haben soll auch die letzte sein“, haben wir schon vor wenigen Tagen gemeinsam festgelegt und dazu kommt, dass wir uns nach dem Befinden des Hundebabys erkundigen müssen, das wir vor einigen Wochen mit Milch versorgt haben.

„Dem Hund geht es gut“ meint Ria, die gleich nach dem Ankermanöver zur Insel Uchutupu Pipigua geschwommen ist, der Santina Bericht erstattet und bald schon wieder am anderen Ende der Bucht zu sehen ist, weil sie mit Thomas eine schnorchelnde Rifferkundigungstour macht, der ebenfalls schwimmend unser Schiff besucht hat und begeisternd von der Unterwasserwelt der Chichime Cays berichtete. Die SY Eisbär III liegt somit ebenfalls hier vor Anker.






Die Abendstimmung in der Bucht ist nahezu unbeschreiblich. Der Sonnenuntergang löst sich auf der einen Seite mit dem Aufgang des Mondes auf der anderen Seite ab. Die sonst sehr kurze Abenddämmerung wird durch die Leuchtkraft des Mondes etwas verlängert und später so intensiv, als würde man meinen, dass jemand ein Licht in der Bucht angezündet hat. Palmen, Strand und Riffe werden beleuchtet, dazu kommt ein silbriges Glänzen auf den vielen kleinen Wellen, die langsam an den ruhig ankernden, fast mystisch wirkenden Yachten vorbeilaufen. Der Sternenhimmel hat etwas an Leuchtkraft verloren, seine Sternenbilder sind jedoch immer noch so ergiebig, dass wir eine Vielzahl von ihnen erkennen oder manchmal auch nur erraten können.

Mittwoch, 12. Februar 2014

„GUNA YALA – WEST LEMMON CAYS – URLAUBSTAG”

In der Einfahrt zum Ankerplatz haben sie auf der Insel Tiadup eine Art Restaurant mit Bar und einigen Zimmern errichtet. Alles ist noch nicht ganz fertig gestellt und wird demnach auch wenig besucht. Wir machen es trotzdem, setzen uns auf die Terrasse des „Iguabi“ wie es genannt wird, ein Pfahlbau im türkisen Wasser, genießen den Ausblick und bekommen eine Führung durch die Anlage. Es dürfte so eine Art „Backpacker-Hotel“ werden. Rund 10 Zimmer sind da geplant, alle mit Dusche und WC, in den Schlafräumen sind Matratzen für bis zu 6 Personen aufgelegt. Alles aus Holz, so wie es sich für diese Region gehört, außer den Fenstern und dem Dach, da wurde Plastik verwendet. Schade.

Bald sind wir wieder auf Naguarchirdup, sitzen vor der Bar, wo ein zweites Frühstück serviert wird, später sind wir am Strand, dann wieder nutzen wir das Internet auf der Insel, haben guten Kontakt nach Hause, fahren zurück zur Santina, wo Thunfische „angeliefert“ werden, die wieder im Backrohr landen und am Abend serviert werden. „Gourmetschiff“, was anderes ist es nicht. Man könnte den heutigen Tag fast so etwas wie einen „Urlaubstag“ nennen.









Dienstag, 11. Februar 2014

„GUNA YALA – KURS WEST LEMMON CAYS – ISLA ELEPHANTE”

Ria macht Bilder von der Santina. Luftbilder. Erich und ich haben sie hinauf auf den Mast bis knapp über die erste Saling gezogen und von hier entstehen schöne Aufnahmen vom Schiff und auch von unserem Ankerplatz. Es ist auch heute – so wie gestern - wieder ein wenig bewölkt, der Wind war recht heftig während der Nachtstunden und hat so gut unseren Windgenerator betrieben, der herrlichen Strom in die Batterien liefert. Wir gehen Anker auf und Kurs West Lemmon Cays.


Während einem traumhaften Segeln auf halbem Wind, wo immer wieder ein wenig die atlantischen Wellen spürbar werden, dort, wo die Außenriffe fehlen, lese ich noch einmal die Geschichte unsere Ankerplatzes: „Green Island, sehr geschützter Ankerplatz, von Riffen eingeschlossen, meist unbewohnte Insel, außer ein paar besondere Bewohner: Ein kleines und ein großes Krokodil, das große hat rund 2,50m.“ Noch erzähle ich nichts der Crew von diesen beiden zusätzlichen Haustieren, die mir neben unseren drei kleinen Haien doch noch unangenehmer erscheinen. Ich halte dies nur im Logbuch fest.

„Da kannst feuchte Augen bekommen“ ruft Erich, der im Bugkorb sitzt. Das Schiff läuft über 7 Knoten im Mayflower Channel und wir segeln den Inseln Miria, Guarladup, Myriadup, Salardup und Achudup entlang, die alle zu den Naguargandup Cays gehören, wunderschöne Ankerplätze besitzen und wiederum von Palmen überzogen und durch vorgelagerte Riffe geschützt sind. Gut mit Augapfelnavigation und guten Nerven anzusteuern.


So wie unser heutiges Ziel, der Ankerplatz auf den Lemmon Cays zwischen den Inseln Miriadup, Tiadup und Naguarchirdup, mit dem einzigen Unterschied, dass bei der Einfahrt zum Ankerplatz die Wassertiefe nur 2,50 Meter beträgt, was bei unserem Tiefgang von 2,20 Meter doch wieder ein wenig Nervenkitzel bedeutet.

Es gelingt und bald liegen wir auf 8 Meter Wassertiefe hinter einem Korallenriff vor Anker. Wir besuchen die Insel Naguarchirdup, die man auch „Isla Elephante“ nennt, was nichts mit einem Elefanten zu tun hat, wie wir glaubten, sondern wo es sich um ein Fabelwesen handelt, das zwar einem Elefanten ähnelt, nicht jedoch einen so langen Rüssel hat. Früher einmal, so erzählt man uns, hat es auf dieser Insel gelebt und auch auf anderen Inseln und man sollte dessen Namen besser nicht aussprechen, weil es ins Meer verbannt wurde und immer noch dort ist und besser auch dort bleiben soll. Es ist kein gutes Fabelwesen.


Jetzt gibt es eine kleine Bar hier auf der Insel, eine Kunaunterkunft und es gibt eine Küche, die wir nutzen und bald Hühnchen mit Kokosnussreis und Salat serviert bekommen. Die SY Eisbär III liegt neben uns vor Anker und ihre Crew besucht auch diese Insel. Otto und Thomas gesellen sich bald zu uns und gemeinsam fällt es nicht schwer, während sehr netter Gespräche die Rumreserven der Insel ein wenig zu dezimieren.

Montag, 10. Februar 2014

„GUNA YALA – RIO AZUCAR - LANDAUSFLUG”

Serapio kommt ein wenig überpünktlich zum Schiff und bringt uns die neue Flagge von Guna Yala mit, jene an deren Stelle der Swastika nunmehr zwei gekreuzte Arme mit Pfeil und Bogen zu sehen sind. Wir hissen sie unter der Steuerbordsaling, frühstücken gemeinsam mit Serapio, der uns mit seinem Motorboot in sein Dorf bringt, wo wir in ein recht wackeliges Kanu umsteigen und den Fluss Rio Azucar entlangfahren.



Schön ist es bereits an der Flussmündung, immer schöner und fast ein wenig abenteuerlich wird es wie wir in den Regenwald hineinfahren und schließlich ein kleines Ufer erreichen, wo unsere Wanderung beginnt.



Mit Macheten bewaffnet begleiten uns zwei Kunas, einer an der Spitze unserer vierköpfigen Truppe, einer am Ende. Immer wieder nutzen sie sie um den Weg ein wenig abzuholzen, der nichts weiter ist als ein schmaler Trampelpfad. Nur ein wenig links oder rechts von diesem Weg würde es kein Weiterkommen mehr geben. Wir haben schöne Stimmungsbilder hier im Dschungel, der dichter und dichter wird, wo uns der Weg über mehrere kleine Flüsse und Bachbeete führt, bis wir nach etwa zwei Stunden unser Ausflugsziel, einen Wasserfall, erreichen.







Wie fast alle Wasserfälle in der Karibik sind auch hier die Kunas so stolz auf diese Wasserfälle, die bei uns nahezu jedes Flüsschen besitzt. Zwei kleine Kaskaden, die einen kleinen Teich bilden, in dem wir natürlich eine willkommene Abwechslung in Form einer Abkühlung finden und dies auch nutzen. Dann geht’s wieder zurück. Wieder dauert die Wanderung knappe zwei Stunden. Kurze aber doch heftige Regengüsse begleiten uns, wir hören unzählige Geräusche, die unsere Fantasie doch ein wenig anregen, sehen Affen, hören Ameisenbären und plötzlich auch das Geräusch eines pfauchenden Wildschweins, worauf der Kuna sofort in eine Art Kampfeshaltung geht, bis es endlich verschwunden ist. „Gutes Fleisch“, sagt er und lacht. Auch Affen und Leguane zählen zu beliebten Abwechslungen in der Speisenkarte der Kuna.




Wie wir wieder an unserer Flussmündung ankommen fragt mich Erich, ob ich während unserer Wanderung nicht auch an all jene Tiere gedacht habe, die bestimmt neben oder über uns vorhanden waren, ohne dass wir sie gesehen haben. Ich meine nur: „Ununterbrochen hab ich an das gedacht, während der ganzen Zeit!“ Tatsächlich war es so, dass wir schon bemerkt haben, dass unsere beiden Kunas sehr aufmerksam waren und uns immer das Gefühl gegeben haben, dass sie gut auf uns und natürlich auch auf sich selbst aufpassen.


Wir fahren ins Dorf Rio Azucar, wo wir bei Serapio Essen. Fisch wird serviert. Wieder gibt es Kokosreis dazu, und Linsen und Zwiebel. Das Dorf hat nicht jene Reize, die wir in anderen Kunadörfern vorgefunden haben. Einige Hütten aus Beton haben die Bambus- und Holzhäuser verdrängt, Wellblech wird als die neue Dacheindeckung verwendet, Satellitenschüsseln sind sichtbar und im Fernsehen läuft ein Kiddy-Contest.





Die neuen Materialien sind nicht geeignet für dieses Klima. Die Stahlbewehrungen rosten, die braune Rostsuppe rinnt an den Wänden entlang, der Beton zerbröselt, alles wird unansehnlich. Wie schön und wie schlicht zeigen sich neben diesen meist schon unbrauchbaren und nach kurzer Zeit fast schon verfallenen Hütten die alten, ursprünglichen Holzhäuser. Auch das sollte einer der Sailas einmal in einem „Congreso“ erwähnen. Wir sehen auch so ein Haus, das bedeutendste Haus der Kunas, das „Casa de Congreso.“ Überall dort, wo die Inseln bewohnt sind, gibt es diese Häuser, das Herz der Kuna-Gesellschaft. In diesem Haus organisieren die Häuptlinge die Zusammenkünfte. Im Inneren sind Bänke aufgestellt und sogar Hängematten gibt es über den Besprechungsbereichen.




„Zurück zum Paradies Santina“ meint die Crew bald, was wir auch machen. Vollbepackt mit Kunabrot, Bananen, Ananas, Tomaten und Bier.