Sonntag, 23. Februar 2014

„PANAMA – KURS BOCAS DEL TORO - ANGEKOMMEN”

Die MY Vibrant Curiosity, eine 279 Fuss Privatyacht, überholt uns in ausreichendem Abstand an Backbord, zeitgleich ein 639 Fuss Frachter an Steuerbord. Langweilig ist es tatsächlich nicht. Gleich nach Mitternacht dreht der Wind langsam auf Nord, wird wieder weniger, was nicht unbedingt gut ist, weil sich unsere Ankunftszeit weiter nach hinten verschiebt, wir jedoch keinesfalls in der Nacht dieses Neuland für uns anlaufen wollen. Das Meer beruhigt sich spürbar. An Bord ist es richtig gemütlich.


Knapp nach Sonnenaufgang schläft der Wind kurzfristig ein, legt kurze Zeit später wieder zu und dreht weiter nach Nordwesten, was absolut selten ist. Langgezogene Wellen kommen immer noch von Achteraus, dann haben wir den Wind auf die Nase, so richtig gegenan, dazu immer mehr Wellen von vorne, die sich jetzt mit den Wellen von hinten zu einer klassischen Kreuzsee vermischen. Immer wieder tauchen Squalls auf, diese kleinen, tiefhängenden Wolken, die auch am Radar gut sichtbar sind und einiges an Regen und Wind in sich führen.





Gegen Mittag schließen sich diese vielen kleinen Squalls zu einer langen dunklen Front zusammen, die uns während der Ansteuerung der Inselgruppe immer näher kommt und uns ganz zarte Vorboten in Form von Nieselregen schickt. Endlich steuern wir der Einfahrt entgegen, surfen mit und auf langgezogenen Atlantikwellen am Boca del Toro Channel entlang, vorbei an den Inseln Bastiamentos und Carenero, vorbei an gut sichtbaren Riffen. Wir tasten uns an Flachwasserstellen hinein bis zum Ankerplatz vor der Bocas Marina. Das Meer ist ruhig und spiegelglatt. Wir sind angekommen! Bocas del Toro. Dann schüttet es in Strömen. Eine sehr willkommene und mehr als verdiente Reinigung für ein sehr gutes Schiff und die beste Crew der Welt!



Samstag, 22. Februar 2014

„PANAMA – KURS BOCAS DEL TORO”

Nur die Franzosen, die gestern Nachmittag knapp vor uns vor Anker gegangen sind und einer davon heute Morgen stockbesoffen im Wasser treibt und lallend „Rettet mich“ schreit, machen ein wenig Stress bei unserem Anker auf Manöver, dann sind wir klar, der Franzose wieder taumelnd an Bord seines Schiffes, wir setzten noch in der Bucht die Segel und segeln hinaus aus Portobelo mit Kurs Bocas del Toro.

Bald spüren wir, dass der Wetterbericht ganz  in Ordnung war. Drei bis dreieinhalb Meter hohe Wellen rollen mit einigen Schaumkronen überzogen langsam von Achteraus auf uns zu, sind langgezogen und gutmütig, unterlaufen sanft unser Schiff. Wir haben 25 bis 30 Knoten Wind, machen eine dementsprechend gute Fahrt und gehen bald den schönen Rhythmus der See.

Einiges ist an Großschiffen unterwegs, wie wir gegen Mittag weit draußen die Höhe der Einfahrt zum Panamakanal passieren, wir testen Radar und AIS, was beides beruhigend gut funktioniert. Dann lässt der Schifffahrtverkehr plötzlich nach, kommt völlig zum erliegen, wir sind allen auf weiter See, am späten Nachmittag wird der Wind etwas weniger, ebenso die Wellenhöhe, pendelt sich bei 2,50 Meter ein. „So soll´s bleiben“ meinen Uschi und ich, dann segeln wir einem wunderschönen Sonnenuntergang entgegen, der dann doch keiner wird, weil Wolken im Westen das Schauspiel verdecken. Ich lese Nelson Mandelas „Langer Weg zur Freiheit“. Ein großartiges, faszinierendes Buch. Wir stellen uns auf eine Wacheinteilung ein, die gut funktionieren würde, wenn meine „Schlafen-Geh-Disziplin“ eine bessere wäre.



„Es ist ohnehin nur eine Nacht“ mein ich zu Uschi, wie uns der erste Frachter begegnet. Die MY Sydney Express, 614 Fuss lang, 98 Fuss breit. Weitere Kaliber derselben Größe folgen, auf Gegenkurs, auf Parallelkurs, was uns schnell feststellen lässt: „Langweilig wird’s uns nicht werden!“



Es ist wie „Nah- und Fern-Sehen“. Scheinbar nah die Frachter am Radar, am AIS und in ihrer Lichterführung, sehr nahe das Plankton, das uns hell leuchtend zu beiden Seiten des Schiffes begleitet, fern die Sterne, die Sternenbilder und die Planeten, ein wenig fern in dieser Nacht auch noch unser Ziel, Bocas del Toro.


Im Salon unter Deck ist es etwas gemütlicher als an Deck, im Cockpit. Hier läuft das Schiff im Rhythmus der See ruhig und gleichmäßig, seine Geräusche sind vertraulich, ein wenig das Knarren des Holzes (obwohl eine Sunbeam nicht knarrt), ein paar andere Geräusche, denen ich sofort nachgehe, das Plätschern der See an den Bordwänden, der Geruch von Ananas vermischt mit Orangen, die über der Backbordkoje im Obstnetz liegen. Irgendwann schläft man dann doch ein.

Freitag, 21. Februar 2014

„PANAMA – PORTOBELO – SERVUS THOMAS – SANTINA KLAR”

Otto und Thomas kommen an Bord der Santina. Wieder einmal heißt es „Auf Wiedersehen sagen“. Dieses Mal von Thomas, dem der Abschied sichtlich schwer fällt. Adressen werden ausgetauscht, Uschi druckt seine Flugunterlagen aus, dann wird gewinkt. Schön war´s.


Wir besichtigen die Forts rund um Portobelo, besteigen einen kleinen historisch bedeutsamen Hügel und haben von hier eine wunderschöne Aussicht auf die Bucht und die dort ankernden Schiffe.







Schon gestern Abend haben Uschi und ich völlig unabhängig voneinander ein wenig mit einer Abreise am morgigen Samstag spekuliert, wenngleich sich am Wetterbericht auch heute noch nichts verändert hat. Meist beruhigt es ein wenig wenn ich vor solchen Überfahrten ganz einfach behaupte: „Ich hab ein sehr gutes Schiff und die beste Crew der Welt.“


Noch einmal besuchen wir den Bäcker, den Hauptplatz, Birgit und Rainer im Casa Vela, sagen allen ein herzliches „Auf Wiedersehen“, weil man sich doch mehrmals in einem Leben trifft und treffen uns mit Otto zum Abendessen im El Palenque, das wieder sehr gut ist und wo die Gedanken noch einmal unsere letzten gemeinsamen Tage Revue passieren und doch schon mehr beim Morgen sind. Kurs Bocas del Toro. Jetzt sind wir auf Vieles eingestellt und freuen uns darauf. Die Santina ist klar.

Donnerstag, 20. Februar 2014

„PANAMA – PORTOBELO – SY LUKA UND EINIGES MEHR”

Im Casa Vela lernen wir die Skipperin der SY Luka kennen und erfahren einiges über die Arbeit als Eignerin eines Backpacker-Schiffes, das meist junge Menschen von hier nach Cartagena in Kolumbien bringt. Vollbepackt sind die Schiffe, nicht nur mit Passagieren, sondern auch mit entsprechenden Lebensmitteln und Getränken, die man für die zwei- bis dreitätige Reise benötigt. Alles ist ganz genau nach einem Terminplan festgelegt, den es einzuhalten gilt, was Zuverlässigkeit und „Geschäft für die Zukunft“ bedeutet, ganz egal was der Wetterbericht sagt. Alles Monate im Voraus, wo bei den jeweiligen meist persönlichen Agenturen auf den Backpacker-Schiffen gebucht wird, oft auch abhängig von dem, was gerade im Internet für oder gegen das jeweilige Schiff gepostet wird.

Ein mehr als harter Job. Heute Nacht lauft die SY Luka aus Portobelo aus. Kurs Cartagena. Mit an Bord eine junge Französin, die mit ihrem Freund auf den San Blas Inseln mit ihrem Schiff auf ein Riff aufgelaufen sind und das sprichwörtliche Glück im Unglück hatten, weil das Schiff gerade noch gerettet werden konnte. Beide sind auf Weltumsegelung unterwegs, mit minimalem Budget, das jetzt nicht mehr reicht, weil das Schiff repariert werden muss. Jetzt arbeiten beide. Er an der Instandsetzung am Schiff, sie als Köchin an Bord der SY Luka.


Hier in der Bucht gibt es auch eine etwas ältere Dame, die – so sagt man – nach und nach die halbe Bucht aufgekauft hat. Unter anderem betreibt sie ein recht nobles Restaurant, einen Kulturverein und eine Hotelanlage auf der gegenüberliegenden Seite des Ortes, wo sogar der an Geld reichste Mann der Welt übernachtet haben soll. „Der Preis muss nur hoch genug sein, dann kommen alle hier her“, soll einer ihrer vielen Grundsätze lauten.


Wir warten im Casa Vela auf Thomas, der heute von seiner Kanalpassage zurückkommen soll und mit dem wir seinen karibischen Abschiedsabend feiern wollen. Begeistert erzählt er über seine Passage, über die Arbeit als Linehander, über sein Erlebnis als ein krönender Abschluss seines Karibikaufenthaltes, wie er recht spät am Abend doch noch erscheint, etwas müde, was den Abschiedsabend verkürzt.


Die SY Luka geht Anker auf und lauft gegen Mitternacht aus der Bucht von Portobelo aus. Fast mystisch anmutend ist es, wenn ein Schiff in den Nachstunden eine Bucht verlässt, die Navigationslichter eingeschaltet sind und sich das Schiff zwischen den ankernden Schiffen langsam hinaustastet in die Karibische See.

Mittwoch, 19. Februar 2014

„PANAMA – PORTOBELO – SABANITAS”

Wir fahren mit dem öffentlichen Bus nach Sabanitas, einem kleinen Vorort von Colon. Otto von der SY Eisbär III ist mit dabei, einfach nur um ein wenig zu erkunden, was es dort alles für Einkaufsläden gibt, will man sich von Portobelo aus für eine Weiterfahrt versorgen. Wieder ist der Bus recht lautstark, vor allem musikalisch, unterwegs, von Station zu Station füllen sich zusehends die Sitzplätze, bis letztendlich auch sämtliche Stehplätze zur Gänze besetzt sind. Eine bunte Mischung an Hautfarben ist hier auf diesem doch engen Raum vereint, schön, wenn alles so selbstverständlich ist, so friedlich, ein Miteinander der Völker.

Schöne Ausblicke gibt es immer wieder auf die Karibische See, die sich in diesem wunderschönen Dunkelblau zeigt, wo ganz oben immer wieder weiße Streifen sichtbar werden. Schaumkronen. Schöne Ausblicke haben wir auch auf das Land, das reizvoll ist, wo wir kleine Ortschaften durchfahren, sehen wo manche Menschen ihr Zuhause haben, wo es einfach, sauber und gemütlich ist und wo es auch Orte gibt, wo diese Schlichtheit nicht das wiedergibt, was man sich manchmal erhofft. Der Müll ist es, der nahezu überall zu sehen ist. Am Straßenrand, vor den Hütten, auf Wegen in den Grünanlagen. Eine Frau wirft eine Getränkedose aus dem Fenster vom fahrenden Bus. Eine Selbstverständlichkeit.


Knapp über eine Stunde dürfen wir Ein- und Ausblicke auf einen Teil Panamas genießen, USD 2,-- kostet die Fahrt pro Person, dann sind wir in Sabanitas, eher einem unpersönlichem Ort, ohne einem natürlich gewachsenen Zentrum, aber mit Einkaufsläden in Blechhallen aller Arten, wo neuzeitliche Bedürfnisse in einer Art „Shopping-Center“ schnell befriedigt werden können. Natürlich gibt es auch sogenannte „Mobile-Shops“, wo man Wireless-Sticks für Internetverbindungen kaufen kann, was wir machen, obwohl wir bisher recht gut ohne dieses oft quälende und zeitstehlende Kommunikationsmittel ausgekommen sind.

Es gibt alles an diesem Ort und die Arten und Größen der Straßen zeigen, dass wir hier in Sabanitas an einem Verkehrsknotenpunkt angekommen sind. In der einen Richtung geht es nach Colon, in der anderen nach Panama City. Wir fahren mit dem Taxi zurück nach Portobelo, zurück in die Welt der Segler und Backpacker, zurück ins Casa Vela, zu Rainer und Birgit, wo wieder Ruhe eingekehrt ist, wir die Santina friedlich vor Anker liegend in der Bucht sehen und wieder einmal die Wetterberichte erfragen, die sich nicht bessern wollen.


Wenn man länger als drei oder vier Tage an einem Ort vor Anker liegt, dann wir man langsam zu einem Hausmeister, ohne die oft enorme Bedeutung dieses Berufszweigs schmälern zu wollen. Man sitzt im Cockpit des Schiffes, liest, beobachtet die Bucht, weiß bald, wer auf welchem Schiff lebt, wer gerade angekommen oder ausgelaufen ist, wieviel PS das jeweilige Dinghy hat, wohin die Leute fahren, welche Flaggen die Schiffe fahren, wer wann schlafen geht oder wer ein Frühaufsteher ist, so wie ich; und ebenfalls ein Hausmeister ist. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen hier in Portobelo.

Dienstag, 18. Februar 2014

„PANAMA – PORTOBELO – CASA VELA UND EISBÄR III”

Viel Wind hat es heute Nacht gegeben und auch jetzt am Morgen sind in der gut geschützten Bucht von Portobelo Schaumkronen zu sehen. „Kolumbus hat schon gewusst wo er vor Anker geht“, meinen wir und sind zugleich doch etwas nachdenklich, was unsere für morgen geplante Abreise nach Bocas del Toro betrifft. Wir fahren an Land und treffen uns mit der Crew der SY Eisbär III im Casa Vela.




Das „Casa Vela“ ist ein kleines Haus mit einer gemütlichen Terrasse direkt an der Waterfront. Rainer und Birgit haben es seit zwei Jahren angemietet und bieten hier neben gutem Essen und Trinken im Restaurant Segel- und Abdeckungsreparaturen aller Art an. Auch Internet gibt es. Uschi und ich haben die beiden vor 6 Jahren in den Kleinen Antillen kennengelernt, wie sie mit ihrem Schiff SY Elsa neben uns gesegelt sind und wir uns gegenseitig auf unserem Weg nach Trinidad fotografiert haben.

Es gibt österreichischen Leberkäse mit österreichischen Semmeln, was wir natürlich gerne probieren. Das Casa Vela ist ein Seglertreffpunkt. Nicht nur, dass die beiden bestens über all das Bescheid wissen, wo man etwas bekommt, wohin man sich wendet oder wie man was findet, auch das Essen ist großartig, was wir nach dem ersten „Küchentest“ schnell festgestellt haben. Die Wetterberichte die wir empfangen sind weniger großartig, eher schlecht und auch die Aussichten auf die nächsten Tage sind nicht gerade das, was wir uns erhofft haben. Dennoch fällt es uns nicht schwer, unsere Abreise von hier zu verschieben. Wir beginnen mit unserer Portobelo-Besichtigungstour und spazieren zum Hauptplatz, mit dem schönen Renaissance Gebäude, das einmal ein Warenhaus war, wieder ein anderes Mal das Büro des Gouverneurs und heute als Museum dient. Mehrmals wurde es nach Bränden, Piratenangriffen und Erdbeben zerstört, wiederaufgebaut und restauriert.




Das Museum haben wir letztes Jahr besucht. Es zeigt immer noch ein Video mit der Geschichte von Portobelo und seinem Hinterland mit den Hauptdarstellern Christoph Kolumbus, Sir Francis Drake, Henry Morgan und Vasco Núñez de Balboa. Nach letzterem sind hier nicht nur Straßen, Plätze, Gebäude und Geldstücke benannt, sondern auch eine sehr bekömmliche panamaische Biersorte, die oft bei uns an Bord zu finden ist. Vasco Núñez de Balboa war ein Begleiter vom Conquistator Rodrigo de Bastidas aus Sevilla und mit dem Kartographieren der karibischen Küstenlinie von Kolumbien bis Panama beschäftigt, als er den Erzählungen der indigenen Völker folgte, die behaupteten, dass es da noch ein großes Meer gibt. So durchwanderte er den Regenwald Panamas und entdeckte von der Spitze eines Berges aus dieses andere Meer, das er „Südsee“ nannte. „Alles was dort ist, gehört Spanien“, meinte er damals. Das war im Jahr 1513.

Uschi und ich besuchen auch den kleinen chinesischen Supermarktladen am Hauptplatz und den Bäcker, wo es frisches Brot gibt und spazieren viele kleine Gassen der „schlafenden kleinen Stadt“ entlang, wie Portobelo im Hafenhandbuch beschrieben wird. Den Badegenuss von Bord der Santina ersparen wir uns, weil wir gesehen haben, dass doch alle abwasserführenden Leitungen direkt in der Bucht enden. Wir haben ohnehin genug Wasser an Bord.

Thomas kocht für uns auf. Wir sind auf der SY Eisbär zum Abendessen eingeladen. Der Tisch ist feierlich gedeckt, Tzaziki, Oliven und geröstetes Brot werden serviert, dann folgt Hühnchen mit Gemüse und Kartoffeln. Alles ganz ausgezeichnet, ebenso wie die Stimmung, deren gute Laune heute von Thomas noch weiter übertroffen wird, weil er morgen als Linehander mit einem Schiff durch den Panamakanal gehen kann.





Montag, 17. Februar 2014

„PANAMA – PORTOBELO – VORBEREITUNGEN”

Das Schiff ist wieder soweit klar, dass wir den Weg nach Bocas del Toro gehen können. Im Vorschiff hat man das Gefühl, dass wir wieder zu zweit sind. Alles ist nahezu traurig leer. Thomas kommt an Bord, gibt uns seine Internetkarte für Handy und Hotspot. Praktisch und zeitstehlend zugleich. Der schlechte Wetterbericht von gestern bestätigt sich. 3,50 Meter Welle hat´s da draußen und recht viel Wind. „Muss ja nicht sein“ denken wir, „besichtigen wir Portobelo und sein Umland.“

Wir nutzen das Internet, um das „Logbuch der Santina“ auf die Seiten der Homepage zu stellen. Es ist nicht viel Arbeit, weil ohnehin täglich alles festgeschrieben wurde, was wir Schönes erlebt haben. Die laufende Aktualität ist leider verloren gegangen. Der gute Gedanke, die Logbucheintragungen über den Amateurfunk täglich ins Netz zu stellen ist wegen der schlechten oder vielleicht sogar nicht vorhandenen Erdung der Anlage leider nicht möglich. Wir wollen nicht riskieren, dass sich irgendwelche Wellen in Richtung AIS, Radar oder Chartplotter ausbreiten und diese Geräte beschädigen oder sogar zerstören. So wie es auf anderen Schiffen geschehen ist. „Technisch experimenteller Funkdienst“ nennt man den Amateurfunk auch. Wie wahr! Bald werde ich mich wieder um diese Anlage mit aller Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit kümmern.

Thomas bringt mir eine weitere Internetkarte, die wir für unser Handy nutzen könnten, wenn es freigeschalten wäre. Das zu tun hab ich ganz einfach zu Hause vergessen. Wir werden damit leben können auch in den kommenden Wochen kein Internet an Bord zu haben. Wir werden die vielen gewonnenen Stunden für besseres nutzen.


Sonntag, 16. Februar 2014

„PANAMA – PORTOBELO – AUF WIEDERSEHEN RIA UND ERICH”

Erich und ich fahren nach einem letzten gemeinsamen Frühstück an Bord der Santina mit dem Dinghy in den Ort um ein Taxi zu organisieren, was schließlich im Restaurant El Palenque gut gelingt. Dann wird das Gepäck an Land gebracht. Ans Festland, auf einen Kontinent. Es gibt ein gemeinsames Mittagessen, für Uschi und mich gibt es einen wunderschönen geflochtenen Korb als Abschiedsgeschenk, dann ist das Taxi plötzlich da. Alles ist heute so schnell gegangen. Zum Glück. Der Abschied ist da, von Wehmut begleitet. Ein paar Küsse, ein paar Drücker, ein herzliches Danke. Von allen Seiten. Dann sind Ria und Erich auf einmal weg!


Uschi und ich spazieren zu Cäpt´n Jack. Es gibt Internet auf der Terrasse, das wir heute so richtig und ausgiebig nutzen. Auch für den Wetterbericht für die nächsten Tage. Es schaut nicht sonderlich gut aus. Recht ordentlicher Wind kommt auf, der die See doch beträchtlich aufbaut. „Morgen wollen wir ohnehin nicht auslaufen“ meinen wir übereinstimmend und freuen uns, wie wir wieder zur Santina kommen, weil hinter uns die SY Eisbär III mit Otto und Thomas vor Anker liegen.

An Bord beginnen wir mit einigen kleinen Kontrollarbeiten: Bilgenkontrolle, Motorölkontrolle, Wasserabscheiderkontrolle, Dinghy-Check. Dann holen wir die Crew der SY Eisbär III mit dem Dinghy ab, fahren ins Restaurant El Palenque und genießen bei Caipiriña und Mochito wieder einmal einen weiteren gesprächsintensiven und ebenso netten Abend. Regenschauer ziehen über die Bucht. Einer davon auf unserer Rückfahrt zum Schiff.

Samstag, 15. Februar 2014

„AUF WIEDERSEHEN GUNA YALA – KURS PORTOBELO”

Es gibt ein „Nacheinander-Aufstehen“ im Morgengrauen, den man heute tatsächlich so bezeichnen darf, ein Inneres „Auf Wiedersehen“ zu den San Blas Inseln, was möglicherweise nicht zutreffen wird, und ein so langes Winken, bis nichts mehr von den vielen kleinen Inseln und Palmen des Archipels zu sehen ist. Die angesagten 8 – 11 Fuss Wellenhöhe des gestrigen Wetterberichts bewahrheiten sich, der Wind nimmt während dem Segeln entlang der panamaischen Küste von 25 Knoten auf 20 und später auf bis zu 15 Knoten ab.






Es ist ein recht angenehmes und crewschonendes Segeln auf Halben Wind bis vor die weiträumige Bucht von Portobelo, wo wir die als „sehr gefährlich“ bezeichnete Untiefe, das „Salmedina Reef“, großzügig umfahren um dann noch vor Sonnenuntergang bis in die Bucht zu segeln, in der bereits einige Yachten vor Anker liegen. Ganz in der Nähe des Ortes gehen wir vor Anker, trödeln nicht lange und wollen die geschichtsreiche Stadt von einer Dinghy-Anlegestelle aus besuchen, die zu einem Restaurant gehört, das sich „El Palenque“ nennt.

Im Restaurant El Palenque gibt es gutes Essen, das wir bestellen und ebenso guten Kaffee, richtigen Espresso, alles serviert auf einer schönen Terrasse, mit Blick auf die Bucht und die ankernden Schiffe.

Karneval ist in Portobelo, den wir besuchen und der heute nichts anderes darstellt als eine Art Krampustreffen, begleitet von laut dröhnender Musik, die aus den Laderäumen von Autos kommt, in denen turmartig Lautsprecherboxen aufgestellt sind. Unendlich viele Kinder laufen am Hauptplatz herum und versuchen Süßigkeiten zu erobern, die am Boden liegen und von den Krampussen bewacht werden. Wir sitzen auf einer Steinbank am Hauptplatz und beobachten das friedlich-lautstarke Geschehen so lange, bis es von der Polizei ebenso friedlich beendet wird.

An Bord der Santina spielen wir Israel Kamakawiwo’ole. „Somewhere Over The Rainbow“. Wir trinken die mehr als guten Reste unseres Zacapa, der uns in den letzten Tagen erfolgreich desinfizierte, denken wieder zurück an das Erlebte der vergangenen Wochen, sind wieder dankbar. Autos hören wir, bunt beleuchtete und laut hupende Busse. Die Zeit in den San Blas hat uns vieles vergessen lassen. Sie war einmalig und wird unvergesslich bleiben.

Freitag, 14. Februar 2014

„GUNA YALA – CHICHIME CAYS – TAUCHGÄNGE UND ABSCHIED”

Thomas besucht uns wieder um bald darauf mit Ria die Unterwasserwelt weiterer Riffe zu erkunden. Uschi und ich folgen den beiden während Erich die Zeit an Bord der Santina genießt. Man muss sich tatsächlich nur entlang der Riffe treiben lassen, um eine Vielzahl an Fische und Seesterne zu sehen, die unbeirrt ihre Wege gehen. Es gibt schöne Korallenformationen, die manchmal auf recht steilen Abhängen angesiedelt sind und wo sich die Farbe des Meeres schnell von Türkis auf Dunkelblau ändert. Das sind meist jene Stellen, wo ich gerne den schwimmenden Rückwärtsgang einlege.



Gemeinsam mit Erich besuchen Uschi und ich das kleine Hundebaby, dem es tatsächlich gut geht und das einen noch kleineren Spielpartner erhalten hat, bringen der Kunafamilie wieder Kleidungsstücke für ihre Molas und besuchen schließlich auch die Nachbarinsel Uchutupu Dummat, wo wir einen Tisch für das heutige Guna-Yala-Abschiedsessen reservieren. „19.30 Uhr“ meint der Kuna freundlich lächelnd. Es wird Fisch geben.

Otto und Thomas von der SY Eisbär III sind mit dabei, wie guter Fisch mit Kokosnussreis und Cole-Slaw serviert wird, wo immer noch die heutigen Taucherlebnisse nahezu spürbar erzählt werden und wir doch auch ein wenig diese wundervolle Zeit in den San Blas Revue passieren lassen. Was später an Bord der Santina fortgesetzt wird, mit einem heimlichen Abschied von den Palmen, vom Strand, von den Riffen, den Sandbänken und nicht zuletzt von den Kunas, diesem freundlichen und friedliebenden Volk, das sich hoffentlich noch lange dieses Paradies bewahrt.




Wir machen uns nichts vor: Dass dieser paradiesische Zustand bis heute überdauert hat, ist dem Überlebenswillen und der Sturheit eines kleinen Indianerstammes zu verdanken. Die rund 32.000 Kuna haben es in den letzten Jahrzehnten mit Kampf und öfter noch mit viel Diplomatie geschafft, ihren Lebensraum des San Blas Archipels so lange für sich zu bewahren und ein Refugium für Tausende seltener Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, wie er für uns in diesen letzten Wochen sichtbar wurde. Bis heute leben sie von und mit dieser Natur und sind so zu einem der größten unabhängigen Indiostämme der Gegenwart geworden. Bestimmt werden heute schon von den Kunas die Vor- und Nachteile der Zivilisation abgewogen werden, Investoren aus der Tourismus, Holz-, Pharma- und Fischereiindustrie stehen mit großen finanziellen Verlockungen Schlange vor den Toren von Guna Yala.

Wie lange noch wird es diesen letzten und größten Primärurwald Zentralamerikas geben, wie lange noch wird der bisher so eiserne Kuna-Vorsatz gelten, dass kein Nicht-Kuna sich hier niederlassen darf und sich am Besitz der Kuna bereichern oder die Wälder ausbeuten? Wie lange noch werden die Kuna ihrer Kultur, ihren Riten und Mythen treu bleiben, wie lange noch wird ihre Unabhängigkeit von Panama andauern? Fragen, die wir nicht beantworten können und auch nicht wollen.

Wir denken an die Geschichte des jungen Fischers, der am Strand unter Palmen liegend hinausblickt aufs Meer und seine Freizeit genießt. Ein Investmentbanker kommt bei ihm vorbei und fragt ihn, was er hier macht. Der Fischer meint nur: „Ich habe gerade ein paar Fische gefangen, die hab ich am Markt verkauft und jetzt genieße ich meine Freizeit hier an diesem wunderschönen Strand.“ Der Investor meint, er könne doch mehr als nur ein paar wenige Fische fangen, er müsse investieren, in ein größeres Boot, dann könne er noch mehr Fische fangen, das Geld in Aktien anlegen, an die Börse gehen, weiter investieren, ein noch größeres Boot kaufen, noch mehr Fische fangen, Menschen beschäftigen und noch mehr Geld verdienen. Dann fragt der junge Fischer: “Und was mach ich dann mit dem ganzen Geld?“ Da meint der Investor nur: „Wenn du dann alt bist, kannst du dich an den Strand unter Palmen legen und aufs Meer hinausblicken und deine Freizeit genießen!“

Donnerstag, 13. Februar 2014

„GUNA YALA – PORVENIR – AUSKLARIERT – CHICHIME CAYS”

Der Katamaran Wanderlust mit Hans und Inge liegt in der Bucht vor Anker. Uschi und ich besuchen die beiden um sie ein wenig über die Inselgruppe Bocas del Toro zu befragen, die beide schon besucht haben. Es gibt gute Tipps und dazu ein neues Programm eines Wetterberichts.

Wir gehen Anker auf und verlassen die West Lemmon Cays wegen der dunstigen Wetterlage und somit schlechter Sicht über die nördliche, etwas tiefere Ausfahrt und laufen wieder den Ankerplatz östlich von Wichubhuala an. Der Wind hat heute Nacht auf Nordwest gedreht, was absolut untypisch ist und unseren Weg zurück in Richtung Puerto Lindo nicht gerade erleichtern wird. Wenn´s so bleibt.

In Porvenir bekommen wir unsere Zarpe und das Cruising Permit für Panama für ein Jahr ausgestellt und zudem eine handgeschriebene Bestätigung zu unserer Crewliste, dass Ria und Erich in Puerto Lindo das Schiff verlassen und über Panama City nach Hause fliegen werden. Beide, der Customer und der Immigration Officer, waren wieder so freundlich und nett, dass es jetzt schon ein wenig schwer fällt, an den bevorstehenden Abschied aus Guna Yala zu denken.

Noch einmal besuchen wir Wichubhuala, kaufen Brot und bekommen noch vor dem Ablagen  Besuch von Kunafrauen, die mit ihrem Ulu zur Santina paddeln. Wieder werden Molas und Ketterln aller Arten zum Verkauf angeboten. Es fällt einem immer schwer, gerade bei den Kunas „Nein Danke“ zu sagen, weil immer so nett, freundlich und absolut unaufdringlich ihre Kunstwerke gezeigt werden. Immer schon hab ich ein wenig mit dem Erwerb von einem Kuna-Paddel spekuliert, wo auch jetzt alle drei Frauen welche verwenden um das Kanu fort zu bewegen. „Die brauchen doch nur zwei“ denke ich und bitte sie nochmals zu unserem Schiff zu kommen. Dann ist das handgefertigte Prachtstück aus Holz mit dem schönen Griff gegen den Austausch von „wertlosem Papier“ an Bord der Santina. „Ich hab ein Kuna-Paddel“ ruf ich freudestrahlend hinaus in die Karibische See.




Es gibt ein traumhaftes Segeln am San Blas Channel zu den Chichime Cays, wo wir erst kurz vor der Einfahrt die Segel bergen und wieder jenen Ankerplatz anlaufen, den wir schon bei unserem ersten Besuch hier genutzt haben. „Die erste Insel die wir besucht haben soll auch die letzte sein“, haben wir schon vor wenigen Tagen gemeinsam festgelegt und dazu kommt, dass wir uns nach dem Befinden des Hundebabys erkundigen müssen, das wir vor einigen Wochen mit Milch versorgt haben.

„Dem Hund geht es gut“ meint Ria, die gleich nach dem Ankermanöver zur Insel Uchutupu Pipigua geschwommen ist, der Santina Bericht erstattet und bald schon wieder am anderen Ende der Bucht zu sehen ist, weil sie mit Thomas eine schnorchelnde Rifferkundigungstour macht, der ebenfalls schwimmend unser Schiff besucht hat und begeisternd von der Unterwasserwelt der Chichime Cays berichtete. Die SY Eisbär III liegt somit ebenfalls hier vor Anker.






Die Abendstimmung in der Bucht ist nahezu unbeschreiblich. Der Sonnenuntergang löst sich auf der einen Seite mit dem Aufgang des Mondes auf der anderen Seite ab. Die sonst sehr kurze Abenddämmerung wird durch die Leuchtkraft des Mondes etwas verlängert und später so intensiv, als würde man meinen, dass jemand ein Licht in der Bucht angezündet hat. Palmen, Strand und Riffe werden beleuchtet, dazu kommt ein silbriges Glänzen auf den vielen kleinen Wellen, die langsam an den ruhig ankernden, fast mystisch wirkenden Yachten vorbeilaufen. Der Sternenhimmel hat etwas an Leuchtkraft verloren, seine Sternenbilder sind jedoch immer noch so ergiebig, dass wir eine Vielzahl von ihnen erkennen oder manchmal auch nur erraten können.

Mittwoch, 12. Februar 2014

„GUNA YALA – WEST LEMMON CAYS – URLAUBSTAG”

In der Einfahrt zum Ankerplatz haben sie auf der Insel Tiadup eine Art Restaurant mit Bar und einigen Zimmern errichtet. Alles ist noch nicht ganz fertig gestellt und wird demnach auch wenig besucht. Wir machen es trotzdem, setzen uns auf die Terrasse des „Iguabi“ wie es genannt wird, ein Pfahlbau im türkisen Wasser, genießen den Ausblick und bekommen eine Führung durch die Anlage. Es dürfte so eine Art „Backpacker-Hotel“ werden. Rund 10 Zimmer sind da geplant, alle mit Dusche und WC, in den Schlafräumen sind Matratzen für bis zu 6 Personen aufgelegt. Alles aus Holz, so wie es sich für diese Region gehört, außer den Fenstern und dem Dach, da wurde Plastik verwendet. Schade.

Bald sind wir wieder auf Naguarchirdup, sitzen vor der Bar, wo ein zweites Frühstück serviert wird, später sind wir am Strand, dann wieder nutzen wir das Internet auf der Insel, haben guten Kontakt nach Hause, fahren zurück zur Santina, wo Thunfische „angeliefert“ werden, die wieder im Backrohr landen und am Abend serviert werden. „Gourmetschiff“, was anderes ist es nicht. Man könnte den heutigen Tag fast so etwas wie einen „Urlaubstag“ nennen.