Freitag, 27. Mai 2016

„MALLORCA – PALMA“

Schiff klar gemacht. Den Rückblick des 30-jährigen Hochzeitstages sozusagen während der Schiffsreinigung genossen. 

Wie auch am frühen Nachmittag, bei einem Treffen mit Trixi und Andreas von der Africa 2 und später am Plaza Major in der Innenstadt und schließlich im „Chili“, wo noch vor wenigen Tagen dieser Törn begann. 



Die Ruhe der vergangenen Tage bekommt dann doch noch seinen hektischen Abschluss: Wir „müssen“ das Champions League Finale noch sehen! Real Madrid gegen Atletico Madrid. 1:1 (1:0) nach regulärer Spielzeit. Elfmeterschießen 5:3 für Real Madrid. Den Rum auf den Sieger trinken wir wieder an Bord der Santina. In aller Ruhe. 


Morgen geht’s nach Hause.


„MALLORCA – PALMA - RCNP“

703 Starts und Landungen heute auf Mallorca. Es ist bewölkt und windstill, fast ein wenig diesig. Wir motoren die Ostküste der Insel entlang, vorbei an unzähligen Pueblos, Hotel- und Appartementanlagen. Vorbei auch an unzähligen Buchten und Ankerplätzen, die heute ganz und gar nicht verlocken.

Ab Salinas haben wir dann wieder herrlichen Wind und ebenso herrliches Segeln, natürlich gegenan. Endlos lang zieht sich die Küste um Es Trenc dahin, endlos scheint auch die große Bucht von Palma. Erreichen noch vor Sonnenuntergang die Marina, wo Uschi noch an Bord der Santina ein Weltklasse-Steak als „Hochzeitstörnausklang“ zubereitet.

Donnerstag, 26. Mai 2016

„MALLORCA – PORTO COLOM“


Gleich nach dem Frühstück verlassen wir die Inselgruppe Cabreras und laufen um 18.40 Uhr in Porto Colom ein. Dazwischen liegen sage und schreibe 16 Wenden, was Uschi nur veranlasste zu sagen: „Heute taugt es dir so richtig!“


Es gibt tatsächlich ein Wiedersehen mit Peter und Annemarie, die um 19.00 einen Tisch für uns vier im Restaurant Colom bestellt haben. Sehr nobel, sehr fein, sehr teuer, nicht gut.


Mittwoch, 25. Mai 2016

„CABRERA – PORT DE CABRERA - LEUCHTTURM“


Die Onyx ist schon ausgelaufen, wie wir unseren morgendlichen Rundblick um die Bucht streifen lassen. „Kurs Porto Colom“ hat Peter gestern gemeint. Wir sollten uns dort wieder sehen. Es gibt Frühstück an Bord und bald einen sehr ausgedehnten Spaziergang zum Leuchtturm Ancida, auch „Far de n´Ensiola genannt, der 120 Meter über dem Meer thront und sein Feuer 19 Seemeilen weit über  die See sendet.



Es wird mehr als ein Spaziergang, es ist eine Wanderung inmitten einer herrlichen Natur mit unzähligen Blumen- und Strauchsorten, immer wieder wunderschönen Ausblicken auf die See und zum Leuchtturm, der ganz einfach nicht näher kommen will. Nach zwei Stunden bergauf und bergab und nochmals bergauf und bergab sind wir endlich am Fuße des Leuchtfeuergiganten, blicken noch einmal hinaus auf die See und wieder zurück auf die schönen Felsformationen der Insel, die wir jetzt mühsam zurückwandern müssen.






Wir verzichten heute auf den Museumsbesuch, baden lieber die Füße im 19 Grad kühlen Meer, das schließlich noch so vertraulich wird, dass Uschi sogar schwimmen geht. Der Parkranger kommt zu Besuch zur Santina, findet jedoch den Schiffsnamen nicht in seinen Reservierungsunterlagen. Uschi hat „Norbert“ anstelle von „Santina“ in der Reservierung eingetragen, was ihn lediglich dazu veranlasst lächelnd zu sagen, dass er uns nicht vergessen wird.

Heute lesen wir im Logbuch unserer Freunde Hannes und Sabine von der SY Cayenne, dass gerade 5 österreichische Schiffe auf den Marquesas angekommen sind. Schön, von unseren Freunden im Südpazifik zu lesen. Uschi kocht eine ganz ausgezeichnete Paella an Bord.



Dienstag, 24. Mai 2016

„CABRERA – PORT DE CABRERA – KASTELL“

„Wie in Abrahams Schoss“ oder „wie in Port de Cabrera“ kann man das Schlafen an Bord eines Schiffes ohne Schwell und Dünung bezeichnen. So wie heute Nacht. Es ist ganz einfach bezaubernd. „Einer der schönsten und eindrucksvollsten Naturhäfen im westlichen Mittelmeer“ lesen wir in unserem Hafenhandbuch, was wir nicht bestätigen können, dem aber auch nicht wieder sprechen wollen. Eine einzige kleine Mole gibt es hier, wo nur Fischer und das Versorgungsschiff anlegen.



Wir lesen über die Geschichte der Inselgruppe, wo man sich bald ausmalen kann, dass das Wasser bestimmt nicht immer so klar und ungetrübt war wie heute, motoren mit dem Dinghy zu Peter und weiter bis zur Mole und spazieren gemeinsam hinauf zum Kastell, der Burg, von wo man einen herrlichen Überblick auf die Bucht und hinaus auf die See bis nach Mallorca hat.








Wieder im Hafen kehren wir in die ehemalige Militärkantine „Sa Cantina“ ein. Ganz ausgezeichnete Tapas und kühles Bier werden an diesem sehr heißen Tag serviert. Später besuchen wir noch Ausgrabungen aus der napoleonischen Zeit, Überreste von ehemaligen Behausungen. Sie sind Zeugen von einem traurigen Kapitel in der Geschichte von Cabrera, aus einer Zeit, in der man rund 7.000 französische Kriegsgefangene hierher verbannte, die jämmerlich verhungert oder verdurstet sind. Das Museum, das wir auch besuchen wollten,  hat am späten Nachmittag schon geschlossen.




Noch einmal motoren wir zur Kantine, finden einen Internetzugang und buchen noch einen weiteren Tag in diesem Naturparadies.

Montag, 23. Mai 2016

„CABRERA - HOCHZEITSTAG“

„Wir parken am Tronchetto, haben recht gut im Campingbus geschlafen, Sandra oben in ihrem kleinen Hochbett. Langsam machen wir uns fertig, ziehen unser schönes Hochzeitsgewandt an und spazieren in Richtung Rialto-Brücke. Frau Gelsomina Fucilio empfängt uns im Rathaus von Venedig, `besorgt´ uns noch zwei Trauzeugen und meint, es wäre gut, wenn die Hochzeit gegen Mittag stattfindet, denn dann läuten alle Glocken von Venedig. So machen wir es. Wir sagen `ja´ und `si´ und sind verheiratet.“


30 Jahre sind in der Zwischenzeit vergangen, 30 Jahre sind Uschi und ich heute verheiratet! Wir kreuzen in Richtung Cabrera und stossen um 12.00 Uhr auf dieses Ereignis an. Wir umarmen uns, verteilen unsere Hochzeitsgeschenke und sind glücklich und dankbar über all diese gemeinsame Zeit, über all das, was wir gemeinsam erleben durften. Kurze Zeit später folgt eine Wende, dann noch eine und noch eine. 


Bis zur Ansteuerung in den See- und Nationalpark sind es sieben Wenden, die uns dem Jubiläumsziel näher bringen. In der Einfahrt ruft uns Martina an und teilt uns mit, dass Alexander Van der Bellen unser neuer Bundespräsident ist. Nur wenige Stimmen waren entscheidend.


Wir gehen an eine Boje, die Uschi Tage zuvor reserviert hat, und genießen diesen glorreichen Tag umrahmt von einer wunderschönen Kulisse. Bald besucht uns Peter, der nicht weit entfernt mit seiner SY Onyx und Annemarie an Bord vor uns liegt. Den ersten Sundowner gibt es an Bord der Onyx, bei freudigem Wiedersehen, den nächsten auf der Santina, später Tuna und Erbsen. Hochzeitsessen.



Sonntag, 22. Mai 2016

„MALLORCA – ES TRENC - BUNDESPRÄSIDENTENWAHL“

„Ein wenig vibriert der Motor“ mein ich schon kurz nach dem Auslaufen aus der Marina, mit Kurs Es Trenc und Ziel Cabrera, was Uschi erst meiner großen Sensibilität zuspricht, bei einer gewissen Motortourenzahl dann aber doch auch dieses spürbare Zittern des Schiffes wahrnimmt. Beim Segeln ist dann wieder alles so, wie es sein soll. Wir kreuzen der langgezogenen Strandbucht entgegen.


„Der Wind sollte in der Nacht auf Nord drehen“ sag ich hoffnungsvoll am rollenden Ankerplatz, wo die Wellen des Nachmittags noch hemmungslos einlaufen  und doch eine recht ungemütliche Dünung erzeugen. In Österreich haben in der Zwischenzeit die letzten Wahllokale geschlossen und selbst am Abend ist noch keine Entscheidung vorhersehbar, wer unser nächster Bundespräsident wird. „Erst die Wahlkartenwähler werden entscheiden, wer von den beiden Kandidaten gewinnt“ schreibt uns Sandra per SMS. Auch wir zählen zu diesen rund 900.000 Wahlkartenwählern.

Es gibt Spagetti während der immer stärker werdenden Dünung, obwohl der Wind längst auf Nord gedreht hat. Ich schlafe im Salon, mit Leesegel, so, wie auf der Überfahrt über den Atlantik. Der Mond lässt sich davon nicht beirren. Er wirft ein silbrig glänzendes Licht auf die langgezogenen Wellen. Irgendwann haben wir dann doch eingeschlafen. Lange nach Mitternacht.

Samstag, 21. Mai 2016

„SCHIFF KLAR – GRILLEN BEI BERND“

Bernd kommt schon recht früh zur Santina. Wir fahren gemeinsam mit ihm in seine Werkstätte „alter, kaputter Motor schauen.“ Ein trauriger Anblick. Zerlegt in seine Einzelteile liegt er vor uns, das faustgroße Loch im Motorblock gut erkennbar, ein Häufchen Elend, das nur knappe 1.627 Stunden hat laufen dürfen. Wie immer, er ist Geschichte.



Bernd zeigt uns voll Stolz seine Firma hier am Stadtrand von Palma, mit allem was dazu gehört: Motorwerkstätte, Schreinerei, Schlosserei, Schneiderei, Elektrik. Eine Company. Mir gefallen solche Werkstätten, die spürbare Handwerkskunst des Reparierens, auch jene des Improvisierens, das Sammeln von Ersatzteilen, die Maschinen, das Werkzeug, die Gerüche. Wir fahren zum Einkauf. „Lidl“ heißt heute das Zauberwort, wo sich bald die Einkaufswagerln mit dem füllen, was später irgendwie an Bord verstaut werden muss. Uschi macht das wie immer perfekt, während ich in die Stadt zu „meinem“ Frisör radle.

„Yolui“ heißt der Haarkünstler, sein nicht weniger begabter Gehilfe Vladi. Er ist es auch, dem ich heute meine unkontrolliert wachsenden Haare anvertraue, der mich bald zu dem macht, was man „jetzt kannst dich wieder unter die Leute trauen“ nennen könnte und der mich zu guter Letzt auch noch dazu überredet, den sonstigen Bewuchs im Bereich der unteren Gesichtshälfte wieder in Ordnung zu bringen. Warme Tücher, pinseln, rasieren, warme Tücher, pinseln, wieder rasieren. Danach Limonencreme auf Haar und Haut, die so ausgezeichnet duftet, dass ich nach all der Zeremonie auch noch eine mit aufs Schiff nehme.


 „Du duftest wirklich“ meint Uschi, was mich letztendlich doch in meiner Auswahl bestärkte. Bernd ladet uns zum Grillen auf seine „SY Male“ ein. Man spürt, dass auf diesem Schiff eine Familie wohnt. Ein Wohnschiff mit allem und noch viel mehr, was man oft zu Hause in einem Haushalt findet.

Es gibt zwei Kilo Spargel, den Uschi schält, zartes Schweinsfilet und reichlich Bier. Bis lange in die Nacht.



Freitag, 20. Mai 2016

„GRAZ – PALMA DE MALLORCA - SANTINA“

Das einzige was einen nahezu mitten in der Nacht zum Aufstehen bewegt und zugleich Freude bereitet, ist, dass man auf Urlaub fährt. Oder besser gesagt fliegt. So wie heute. Tagwache in Hausmannstätten noch knapp vor 04.00, Abflug in Graz-Thalerhof um 06.05, Landung in Palma de Mallorca um 08.00, an Bord der Santina im Real Club Nautico de Palma um 08.45 Uhr. Schön verschlafen war der Flug und erst die Busfahrt vom Flughafen bis zum Hafen hat uns so richtig wach gerüttelt.

Der erste Weg an Bord des Schiffes führt uns sofort in Richtung Motorraum, wo wir mit geteilter, nein, mit doppelter Freude den neuen Motor der Santina besichtigen. „4JH4-TE“ heißt die neue Turbo-Maschine von Yanmar, hat 55,2 kW, 4 Zylinder, ist ein Direkteinspritzer und soll nie kaputt werden. „Hat man vom Vorgängermotor auch behauptet“, sag ich mit wenig Emotion zu Uschi, die keinen Unterschied zu unserer explodierten Maschine findet. „Sauber ist sie“.

Wir starten unseren „Hochzeitstörn“ mit all dem, was wir als „Törnvorbereitung“ bezeichnen: Schiff abspritzen, Schiff schrubben, Außen- und Innenreinigung (obwohl ohnehin alles sauber verlassen wurde), Backskisten neu ordnen (mein Spezialgebiet), Segel anschlagen, Bimini mit Imprägniermittel einstreichen, Bernd begrüßen, der am frühen Nachmittag zu Besuch kommt. „Alles gut“ meint er nur, wie wir ihn nach dem Verlauf des alten Motor-Aus- und neuen Motor-Einbaus fragen. Gemeinsam starten wir die Maschine. „Klingt wie ein neuer Motor“ mein ich nur, was Bernd doch ein kleines Lächeln abringt.

Wir fahren mit den Klapprädern ins „Chili“, fast schon ein Stammrestaurant für uns, direkt vor der Mole gelegen, mit Blick zu den Superyachten anderer Dimensionen und Welten, genießen Lachs und Lamm und finden uns bald wieder an Bord der Santina, nach einem langen arbeitsreichen Urlaubstag.

Sonntag, 17. Mai 2015

„PALMA DE MALLORCA – RCNP - ABSCHIED“


Heute besuchen Uschi und ich einen Stadtteil von Palma, den manche das ehemalige  Maurenviertel der Stadt nennen. Wenig unterscheidet sich vom übrigen Palma, es ist ganz einfach nur wunderschön. Wir besuchen Kirchen und natürlich die Kathedrale und beginnen langsam, die Santina für unsere nächsten Inselbesuche vorzubereiten. Alles geht jetzt um vieles einfacher: Kein Vorbereiten auf ein monatelanges Verlassen des Schiffes, kein Abräumen des Decks, kein Segel abschlagen, kein Entfeuchtungsgerät installieren, kein Verpacken und Verstauen von Schoten und Bimini. Wir wissen, dass wir wieder bald auf der Insel und am Schiff sind.



Wir besuchen die SY Molly, besichtigen das Schiff, das ein ausgesprochenes Raumwunder ist, gemütlich und gepflegt und wo es an Deck bald wieder viel zu erzählen gibt, wo so vieles Neues auf uns einwirkt, dass es fast zu einem „Lindenstraßenstress“ wird. Später lernen wir Klaus von der SY Tahia kennen, der mit seinem Schiff auch am „Lindenstraßensteg“ liegt. Er kann alles und noch vieles mehr und wird sich um unsere Sprayhood kümmern, während wir zu Hause sind.

An Bord der Santina gibt es das erste Mallorca-Steak, weil wir heute auch die ersten Lebensmittelläden gefunden haben, die uns natürlich Dieter und Rosi empfohlen haben und wo es ebenso alles zu kaufen gibt, wie in den Marina-Shops, in der Werft und eigentlich überall, was wir zu schätzen wissen und viele Jahre nicht in diesem Übermaß gewohnt waren.

Wir sind in Europa, in Palma, auf dieser wunderschönen Insel Mallorca. Dieter wird uns morgen zum Flughafen bringen, er hat ein spanisches Auto. Dann geht’s wieder nach Hause und erst dann endet für uns unser karibisches Abenteuer, das immerhin acht Jahre gedauert hat. Wir packen Bücher ein, sortieren Flaggen der besuchten Länder. Wir freuen uns auf unsere Kinder, auf unsere Eltern, auf unsere Freunde auf unseren Hund, auf unser Zuhause, auf unsere Arbeit. Wir denken an die Zeilen, die Sandra in unser Logbuch geschrieben hat: „Dankbar sein für die Erinnerungen und Träume, die einen Menschen doch ausmachen. Das sind unsere größten Schätze. Die Vergangenheit und die Zukunft.“

Samstag, 16. Mai 2015

„PALMA DE MALLORCA – RCNP - LINDENSTRASSE“


Mit jedem Schiffscheck wird die Liste der zu erledigenden Arbeiten länger, die Freude über das Getane größer, das Funktionieren der selbstinstallierten Kühlbox nahezu gefeiert. „Jetzt kann kommen wer will“, meint Uschi, „es gibt Eis in unseren Getränken.“ Mit großen Hoffnungen spazieren wir ins Marina Büro.

Gemischte Gefühle begleiten unser Gespräch mit der Dame hinter dem Schreibtisch, die vorerst recht zurückhaltend war, absolut keinen freien Platz gefunden hat, sich dann aber doch von unserer ehrlich gemeinten Faszination von Palma überzeugen hat lassen und noch einmal ein wenig genauer nach allenfalls möglichen freien Liegeplätzen gesucht hat. Alles war dann auf einmal sehr nett und freundlich, weil genau jener Platz auf dem wir heute schon liegen auch in Zukunft nicht reserviert ist. Dann aber endlich doch: Für unsere Santina!



„Wir haben einen Jahresliegeplatz im Real Club Nautico de Palma!“ freuen wir uns am Weg zurück zum Schiff, wo wir am Steg Rosi und Dieter begegnen und die beiden sofort auf die Santina einladen. Seit 25 Jahren liegen sie hier mit ihrer SY Molli am Steg. „Lindenstraße nennt man ihn“, lachen die beiden sympathischen Kölner, die natürlich alles über Alle und Jeden hier wissen und uns so richtig mit dem „wo man was bekommt und wer was repariert“ verwöhnen.

Es ist ein sehr netter Nachmittag, mit einer Schiffsbesichtigung, mit Rum und Bier aus der Karibik, mit vielen Erzählungen und guten Tipps. „Wir haben die wichtigsten Personen  von der Marina kennengelernt“ sind Uschi und ich überzeugt, wie wir wieder in einer wunderschönen Abendstimmung freudestrahlend in die Stadt spazieren und unsere ersten deutschsprachigen Mallorca-Zeitungen kaufen. Leider sind es Schreckensmeldungen die wir jetzt lesen: Es wird von dem Unglück vor den Azoren berichtet und von drei Toten im gestrigen Sturm bei Formentera, wo eine Yacht gegen die Felsen gespült wurde. Wieder sind wir dankbar gesund und hier zu sein und einen wunderschönen Platz für unsere Santina und natürlich auch für uns gefunden zu haben.

Freitag, 15. Mai 2015

„PALMA DE MALLORCA – DER WIND IST DA – NEUE LIEGEPLATZGEDANKEN“


Langsam kompensieren wir unseren Jetlag, diesen „Zeitzonenkater“, den man nach dem was wir in den letzten Tagen im wahrsten Sinne des Wortes in der Weltgeschichte „herumgeflogen“ sind, nicht ganz von uns abweisen können. Wir schlafen jeden Tag eine Stunde weniger und versuchen gerade aus dem Grund, auch eine Stunde früher unsere Kojen aufzusuchen, was nicht immer gelingt.

Uschi und ich frühstücken an Bord der Santina, was in der neuen Umgebung wiederum ein wenig ungewöhnlich für uns ist. Links von uns ein Schiff, rechts ein Schiff, gegenüber Schiffe, Menschen laufen den Steg auf und ab. Nichts mit „vor Anker liegen und ins Wasser springen.“ „Das alles war vor Jahren ganz selbstverständlich für uns“ lachen wir sogar ein wenig über das Neue, das gar nicht so neu sondern nach all den „anderen Jahren“ nur wieder ein wenig ungewohnt ist.



Wir bekommen von Toni Horrach die Einklarierungspapiere in seinem Büro, bedanken uns für die freundlich-herzliche Aufnahme auf Mallorca mit einigen Caribe, die wir für besondere Anlässe und Gäste aus der Karibik mitgebracht haben. „Jetzt sind wir ganz offiziell in Europa!“ Bald hören wir von einem fürchterlichen Sturm vor den Azoren, wo fünf Yachten in Seenot geraten sind, ein Katamaran ist gesunken, ein Kind gestorben. Crews wurden von ihren Schiffen abgeborgen, die Yachten treiben jetzt ohne Mannschaft im Atlantik. „Ganz einfach nur schrecklich“ sagen wir uns, während auch hier auf Mallorca der Wind kräftig zulegt und unser vorgesehenes Auslaufen in Richtung Norden verhindert.

Uschi und ich besuchen den Plaza Major, trinken Kaffee vor dieser großartigen Kulisse, bummeln durch die Stadt, kaufen ein. „Die Abende sind hier kühl“ war die Feststellung und der Ausgangspunkt für unseren Einkaufsbummel, der heute so richtig Spaß macht und uns dabei nicht das erste Mal über einen Jahresliegeplatz in Palma nachdenken lässt. „Alles wäre so einfach“ muntern wir uns auf, „Einsteigen in Graz, Aussteigen in Palma“, steigern wir unsere Vorstellungen weiter und beschließen, morgen die richtige Entscheidung zu treffen.



Die vorgefasste Vorfreude über das „Nahezu jederzeit und schnell zum Schiff zu kommen“ lässt uns wieder nach Palma spazieren. „Das nächste Mal nehmen wir unsere Klappräder mit“. Jetzt hat uns die Stadt endlich in ihren Bann gezogen. Wir sind noch nicht weg und freuen uns heute schon auf das nächste Mal. Ich trage am Abend meine neue FC Barcelona Jacke.

Donnerstag, 14. Mai 2015

„PALMA DE MALLORCA – RCNP - SCHIFFSREINIGUNG“


Es gibt ein erstes Frühstück an Bord der Santina, nach vielen Jahren in „heimischen“ Gewässern. Wir reinigen das Schiff heute so, wie wir die Santina gerne sehen. Fast ist es so, als würden wir alles wegreinigen, was irgendwie an das Vergangene erinnert und auf ihre Zukunft vorbereitet. Wir reinigen, schrubben, entrosten, kommen schön langsam an, was sich verstärkt, wie wir die Reiseroute nach Còlonia de Sant Pere in der Bucht von Alcúdia abstecken, die ersten Wetterberichte lesen und schnell feststellen, dass es ab heute Abend da draußen zu stürmen beginnt.

Wir lesen Hafenhandbücher, sehen uns neue Reiseziele an, zirkeln Entfernungen ab, beginnen langsam die Schönheit der Stadt zu genießen, die viel dazu beiträgt, endlich zu begreifen, dass wir angekommen sind. Nicht einmal haben wir uns in den letzten Tagen gesagt „Wir können ja wieder rüber fahren“, was uns beruhigt, ebenso wie die Schönheit von Palma, dieser wunderbaren Stadt, die uns scheinbar sagen und zeigen will, wie schön es hier wirklich ist. Tatsächlich ist es so, dass es uns immer wieder hineinzieht in diese großartige Altstadt, nur wenige Minuten von unserem Liegeplatz entfernt.





Wir sitzen im „Pesquero“ am Hafen, hören wieder Live-Musik und dann spielen sie „Me And Mrs. Jones“ von Billy Paul und wir hören den Text „Well, it´s time for us to be leaving… It hurt so much…“, wechseln von Caipiriña auf Mojito, freuen uns auf die Santina, die heute so sauber ist und uns sagt, dass es nicht an der Zeit ist, sich zu verabschieden, dass nichts mehr weh tut, sondern dass die Freude über das gut Angekommen sein alles überwiegt. Uschi und ich freuen uns mit ihr und auf das, dass wir uns jetzt öfter sehen werden. Die Singelgracht hat heute Palma de Mallorca verlassen.

Mittwoch, 13. Mai 2015

„PALMA DE MALLORCA – SINGELGRACHT - REAL CLUB NAUTICO DE PALMA“


Noch am frühen Morgen verfolgen wir noch einmal  die Reiseroute der Singelgracht, die wie ein offenes Buch am iPhone-App „Marine Traffic“ ablesbar ist. „Man weiß immer und überall wo man ist“ stellen wir fast ein wenig besorgniserregend fest, meinen aber auch, dass die AIS-Einrichtung fast besser als das Radar ist, weil man die Schiffe auch nach dem Namen rufen kann, wenn sie einem auf offener See gefährlich nahe kommen. „Wir haben nichts zu verbergen.“

Uschi und ich spazieren die Avenida Gabriel Roca entlang, an der sich eine Marina an die andere reiht. Vom kleinen Fischerboot bis hin zu den Luxusyachten liegt alles hier an den unzähligen Stegen und Moorings friedlich vereint. Wir frühstücken in einem Straßencafé an der Promenade, warten auf Toni Horrach, der uns pünktlich mit seinem Auto abholt und wir gemeinsam weiterfahren in das Zollgelände, wo das große Wechselspiel des Be- und Entladens der großen Frachter seinen Lauf nimmt.

Alles wird problemlos durchfahren, die Customs, die Immigration, der Hafenkapitän, es gibt keine Kontrollen nur ein freundliches Winken zu Toni. Dann sehen wir sie wieder, die Singelgracht, die wir scheinbar erst vor wenigen Tagen auf St. Thomas das letzte Mal gesehen haben. Problemlos ist sie über den Nordatlantik gepflügt, Gibraltar angelaufen, jetzt Palma und schon bald wird sie wieder ihre nächsten Hafenstädte anlaufen. Entladen, verladen.


Uschi und ich bekommen Helme und orange „Visitor-Westen“. Wir tragen uns in das Besucherbuch des Frachters ein, gehen an Bord und beobachten das erste Entladen eines Katamarans. Dann sehen wir die Santina, unsere Santina, die gut angekommen ist. Hinter ihr steht ein weiteres österreichisches Schiff auf der riesigen Ladefläche der Singelgracht mit einem Pärchen an Bord. Die beiden waren auch in der Karibik. „Ein paar Monate waren genug“ rufen sie zu uns herüber, wie Uschi und ich bereits an Bord waren, um das Schiff für die Entladung klar zu machen. „Es hat uns da drüben nicht gefallen“, meinen sie. Wir fragen nicht weiter, lösen das Achterstag und die Dirk, bringen Fender aus. Wieder steigt die Spannung bis sich endlich der große Kran über die Santina neigt, die von ihren Leinen und Blöcken befreit wird und bald spektakulär über der Ladeplattform und dem Hafenbecken schwebt.



Dann dürfen wir wieder an Bord unseres Schiffes, was einer Überwindung gleichkommt. Höhenängste gepaart mit der Sorge, zwischen den Schiffen entlang der Bordwand ins Wasser zu fallen. Alles gelingt mit vereinten Kräften, dann gleiten wir der orangen Bordwand entlang in Richtung Hafenbecken, berühren bald Mittelmeerwasser. Leinen lösen sich, der Motor springt nicht an, dann endlich doch und langsam entfernen wir uns von diesem scheinbar unendlich großen Frachter, der immer kleiner wird und bald schon Geschichte ist.



Noch im Hafenbecken werden Achterstag und Dirk angeschlagen. „Spät aber doch“, meint Uschi. Es ist windstill wie wir unseren neuen Liegeplatz anlaufen, begleitet von den Marina-Jungs, die uns bald die Moorings bereithalten. Alles klappt perfekt. Jetzt sind wir in Palma  angekommen, in jener Marina, die wir am 15. August 2007 um 19.45 das erste Mal angelaufen sind, am Weg von Kroatien in Richtung Karibik! Uschi und ich haben noch die Bilder vor uns, die sich damals vor uns aufgetan haben.

Wir melden uns im Marinabüro an, fragen zum ersten Mal nach einem Winterliegeplatz in dieser Stadt und bekommen ihn zu unserer großen Freude und Überraschung bereits ab September. Wie überall auf der Welt führt ein erster Weg in einem neuen Hafen meistens zu einem Yachtausrüster. Uschi und ich besuchen den perfekt sortierten Marinashop, finden eine Kühlbox für unser Mojito-Eis und ein intaktes Stromverlängerungskabel. An Bord der Santina bauen wir unsere Stromanschlüsse auf „Europa“ um, waschen Wäsche, reinigen das Schiff das erste Mal. Im Gedanken sind wir immer noch nicht ganz angekommen.




Später besuchen wir Palma, essen Tapas, trinken Caipiriña, hören Live-Musik im Yachtclub. Es ist schon nach Mitternacht. Die lang andauernde Helligkeit täuscht unser immer noch karibisch-denkendes Zeitgefühl. Von San Juan nach Palma. Von einer ehemals spanischen Kolonie nach Spanien, von einer schönen Stadt in die andere. Gesund und glücklich angekommen. Das sind die guten Seiten des hier und da.

Dienstag, 12. Mai 2015

„GRAZ – WIEN - PALMA DE MALLORCA“


Auf der Fahrt nach Wien – leider fliegt am Dienstag keine Maschine von Graz nach Palma - besprechen Uschi und ich noch einmal die Ereignisse unseres gestrigen Arbeits- und Organisationstages und sind bereits jetzt schon gespannt auf das, was in den nächsten Tagen noch alles anders als geplant werden könnte.

Ganz früh am Morgen erfahren wir, dass die Santina „Very early AM at May 13th“ - das ist morgen (!) - in Palma ankommen wird und dass mit dem Entladen am nächsten Tag begonnen wird. Uschi bucht ein Hotelzimmer für eine Nacht und am Abend bekommen wir die Mitteilung von Toni Horrach, dass die Entladung erst am Donnerstagvormittag oder Nachmittag erfolgen wird. „Eine Nacht zu wenig“ stellen wir schmunzelnd fest, was nicht ohne ist, da durch das verlängerte Wochenende nahezu alle Zimmer belegt sind. Auch hätten wir uns die frühmorgendliche Fahrt nach Wien ersparen können und am Mittwoch von Graz aus nach Palma fliegen.



Wir bleiben dabei, dass schon irgendwie ein Zimmer in Palma für eine Nacht für uns frei sein wird, dass wir in Ruhe die Marina besichtigen können und vor allem, dass wir genügend Zeit haben, um einen Liegeplatz zu besorgen. Es ist ein schöner und vor allem ruhiger und kurzer Flug nach Palma, mit herrlichen Ausblicken auf das Mittelmeer und auf die Buchten von Mallorca, wie wir zum Landeanflug ansetzen.

Das erste San Miguel trinken wir noch am Flughafen, ein weiteres in unserem Hotel, wo wir Glück haben, weil wir unser Zimmer für eine weitere Nacht verlängern können. Dann beginnen wir langsam, Palma kennen zu lernen.





„Avenida Antonio Maura 26” ist die Adresse von Toni Horrach hier in Palma, die wir als erstes besuchen und wo wir von einem außerordentlich netten und sympathischen Toni zu unserer großen Überraschung erfahren, dass die Santina doch schon morgen entladen wird. Er reserviert uns einen Liegeplatz für zwei Tage im RCNP, dem Real Club Nautico de Palma, den wir schnell besuchen, wo man uns in der Capitaneria herzlich willkommen heißt und ebenso freundlich ist wie im Hotel, wo wir unser erst vor wenigen Stunden verlängertes Zimmer wieder stornieren.



Ein wenig feiern wir dann doch diese Vielfalt an gut gegangenen Ereignissen und Änderungen, dieses „Wo wir sind“ und „Wo wir erst vor kurzem waren“, in guter und zuversichtlicher Stimmung am Abend im Restaurant „Pesquero“, mit Ausblicken auf die Stadtmauer, den Markt und zu den Schiffen, bevor wir wieder ein Email erhalten, mit der Nachricht, dass die Singelgracht heute um 23.16 Uhr in Palma angekommen ist. Zu diesem Zeitpunkt haben die Bayern bereits 3:2 gegen Barcelona gewonnen, was hier auf Mallorca niemanden sonderlich stört, weil Barcelona dennoch ins Finale aufgestiegen ist.